In Deutschland konnte Brandt selbst in seiner Partei mit seinem Nord-Süd-Bericht nicht ankommen! Es wird Zeit das zu ändern: erinnern an Willy Brandts Nord-Süd-Bericht “Das Überleben sichern”; er ist hochaktuell: Das Überleben sichern Die Globalisierung von Gefahren und Herausforderungen – Krieg, Chaos, Selbstzerstörung – erfordern eine Art ‘Weltinnenpolitik’, die über den Horizont von Kirchtürmen, aber auch nationalen Grenzen weit hinausreicht. “Unser Bericht gründet sich auf das wohl einfachste gemeinsame Interesse: Daß die Menschheit überleben will und – wie man hinzufügen könnte – auch die moralische Pflicht zum Überleben hat. Dies wirft nicht nur die klassischen Fragen nach Krieg und Frieden auf, sondern schließt auch ein, wie man den Hunger in der Welt besiegt, wie man das Massenelend überwindet und die herausfordernden Ungleichheiten in den Lebensbedingungen zwischen Reichen und Armen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Dieser Bericht handelt vom Frieden.” „Die Herausforderungen kommender Jahrzehnte werden nicht durch ein gegnerisches System von Gewinnern und Verlierern bewältigt werden – Nord gegen Süd und Ost gegen West, sondern nur durch eines, das sich auf allumfassende menschliche Solidarität und internationale Zusammenarbeit gründet.“ Es wird Zeit, sich politisch in diesem Sinne weltweit zusammenzuschließen, bevor uns Egoismus, Nationalismus, Fundamentalismus, Kapitalismus, Unmenschlichkeit weiter in die Konfrontation führen! Und das muss von den Bürgern kommen! Die Entscheider in Politik und Wirtschaft, äußerten zu dem Nord-Süd-Bericht Wohlwollen – und ignorierten ihn einfach. Die Verfechter der Nationalinteressen a la Reagan und Thatcher hatten gesiegt.

Der frühere Bundeskanzler Willy Brandt  (Bild: AP) Der frühere Bundeskanzler Willy Brandt (Bild: AP)

Auswege aus dem Armutsdesaster

Willy Brandt: “Das Überleben sichern. Bericht der Nord-Süd-Kommission”. Kiepenheuer & Witsch 1982

Von Mirko Smiljanic

Unter dem Titel “Brandt-Report” forderten die Mitglieder der Nord-Süd-Kommission 1980 eine stärkere Integration der armen Länder in die Weltwirtschaft, verlangten gleichzeitig aber von den reichen Nationen ein stärkeres finanzielles Engagement. Gedanken, die auch heute noch erstaunlich aktuell sind.

So etwas hatte es noch nie gegeben: Als am 12. Februar 1980 Willy Brandt den Vereinten Nationen den Abschlussbericht der Nord-Süd-Kommission vorlegte, ging eine Welle der Begeisterung durch die Welt. Lehrer und Professoren an Schulen und Universitäten diskutierten den 380 Seiten langen Report; landauf, landab organisierten Volkshochschulen und Kirchen Foren einzig mit dem Ziel, die Thesen von Olof Palme, Eduardo Frei, Edward Heath, Rodrigo Botero, Adam Malik und einigen anderen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Brandt-Report hatte eine befreiende Wirkung, formulierte er doch auf hohem politischen Niveau, was damals intellektueller Mainstream war: dass der Norden den Süden ausbeutet – und er formulierte Auswege aus dem Desaster.

Willy Brandt: “Inzwischen ist es, glaube ich, von entscheidender Bedeutung, dass die Länder der Dritten Welt nicht den Eindruck bekommen dürfen, als seien sie nur Bauern auf den strategischen Schachbrettern der großen Mächte.”

Die Kommission verfolgte zwei Zielrichtungen: Erstens ging es darum, den Mechanismus der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden aufzuzeigen – wobei Brandt schon damals das vereinfachende Bild ‘reicher Norden – armer Süden’ kritisierte: Zum Süden zählten auch reiche Länder wie Australien und Neuseeland, und am Horizont machte sich schon damals Brasilien als Schwellenland bemerkbar. Und zweitens wollte die Kommission konkrete Vorschläge unterbreiten, um die beide Hemisphären politisch, ökonomisch und sozial zu versöhnen.

Ob es uns passt oder nicht: Wir sehen uns mehr und mehr Problemen gegenüber, welche die Menschheit insgesamt angehen, sodass folglich auch die Lösungen hierfür in steigendem Maße internationalisiert werden müssen. Die Globalisierung von Gefahren und Herausforderungen – Krieg, Chaos, Selbstzerstörung – erfordern eine Art ‘Weltinnenpolitik’, die über den Horizont von Kirchtürmen, aber auch nationalen Grenzen weit hinausreicht.

Ambitionierte Ideen angesichts einer sich dramatisch zuspitzenden ‘Weltinnenpolitik’: Die Sowjetunion führte Krieg in Afghanistan, wodurch die Ost-West-Krise den zaghaften Nord-Süd-Dialog wieder einmal in den Schatten stellte. Es war eine denkbar ungünstige Zeit für weitreichende Forderungen. Zu den Wichtigsten zählten die Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes, ein internationales Abkommen zur Sicherung der Energieversorgung, ein Nahrungsmittelprogramm für die ärmsten Länder, eine Reform des Weltwährungssystems, die Liberalisierung des Welthandels und eine internationale Steuer, die den Ländern der Dritten Welt zugutekommen sollte. Radikale Forderungen, die sich nur mühsam durchsetzen lassen würden – was Brandt übrigens schon damals durchaus bewusst war. Vorschläge wie der, Gewinne aus dem internationalen Waffenhandel in Entwicklungsprojekte umzuleiten, wirken aus heutiger Sicht fast naiv. Und doch hat der Brandt-Report schon damals den Fokus auf Probleme gelegt, die noch heute ungelöst sind.

Willy Brandt: “Dass unsere eigenen – unsere, ich meine der westlichen Welt – wirtschaftliche Zukunft, die Sicherung unserer Arbeitsplätze, besser gesagt: der Arbeitsplätze unserer Kinder und Enkel, in hohem Maße davon abhängt, dass und in welchem Maße unsere wirtschaftliche Verknüpfung mit anderen Teilen der Welt forciert werden kann.”

Und so geschah mit dem Brandt-Report, was Kritiker prophezeit hatten: Die einen, vor allem die mediale Öffentlichkeit, lobte ihn in den Himmel; die anderen, die Entscheider in Politik und Wirtschaft, äußerten Wohlwollen – und ignorierten ihn einfach. Die Verfechter der Nationalinteressen a la Reagan und Thatcher hatten gesiegt. Was sich heute übrigens in konkreten Zahlen widerspiegelt: Statt der geforderten Entwicklungshilfe von 0,7 Prozent werden durchschnittlich nur etwa 0,3 Prozent gezahlt, und die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen verdoppelte sich auf fast 1,5 Mrd. Hat also die Nord-Süd-Kommission versagt? Nein, hat sie nicht! Michael Hofmann, ein ehemaliger Mitarbeiter Willy Brandts, stellt dazu fest:

Eine unmittelbare politische Umsetzung der Vorschläge internationaler Kommissionen ist kaum zu erwarten, da sich die Regierenden nicht vorschreiben lassen wollen, was sie zu tun haben. Mittel- und längerfristig können vernünftige Empfehlungen gleichwohl Früchte tragen, weil durch den Problemdruck Bedenkenträger reifen und beweglich werden.

Mirko Smiljanic über den von Willy Brandt herausgegebenen Band “Das Überleben sichern.” Bericht der Nord-Süd-Kommission. 1982 bei Kiepenheuer und Witsch erstmals publiziert, ist das 379 Seiten starke Taschenbuch heute nur noch antiquarisch erhältlich.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1303816/

Nord-Süd-Bericht

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Am 12. Februar 1980 legte die Nord-Süd-Kommission unter dem Vorsitz von Altkanzler Willy Brandt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen eine Studie mit dem Namen „Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer“ vor, die allgemein als Nord-Süd-Bericht oder Brandt-Report bekannt wurde.

Die Studie fordert eine Integration der unterprivilegierten Länder des Südens in die Weltwirtschaft und verlangt von den Industrienationen, die Entwicklungsländer zu unterstützen. Zentrale Bedeutung schreibt der Bericht außerdem einer neuen Weltwirtschaftsordnung zu, die ein sowohl für Entwicklungs- als auch für Industrieländer verträgliches Weltwirtschaftssystem darstellen soll. Ebenfalls wird ein Zusammenhang von Aufrüstung und Armut in Ländern der Dritten Welt aufgezeigt.

Weblinks

  • Hintergrundinformation der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung
  • Lexikon der Nachhaltigkeit | Brandt-Report 1980 – Das Überleben sichern
  • Rückblick auf Lob und Tadel am Brandt-Bericht
  • randt Report: Das Überleben sichern, 1980

    Die vom Präsidenten der WeltbankKaputter Link, Robert S. McNamara, angeregte ‘Unabhängige Kommission für Internationale Entwicklungsfragen’, nahm im September 1977 ihre Arbeit auf. Auf seine Initiative übernahm Willy Brandt den Vorsitz dieser Kommission. Der Kommission gehören Vertreter aus insgesamt 20 Staaten – die Hälfte davon Entwicklungsländer – an. Zu den Teilnehmern zählen namhafte Persönlichkeiten wie der ehemalige britische Premier Edward Heath und der ehemalige Ministerpräsident Schwedens, Olof Palme. Ihre Hauptaufgabe sah sie darin, “die ernsten Probleme von globalen Ausmaßen zu untersuche_1508n, wie sie sich aus den wirtschaftlichen und sozialen Ungleichgewichten der Weltgemeinschaft ergeben und Wege dafür aufzuzeigen, wie angemessene Lösungen für die Entwicklungsprobleme (…) und Armut vorangetrieben werden können.”Am 12. Februar 1980 reicht die Kommission offiziell bei den Vereinten Nationen in New York den “Nord-Süd-Bericht” ein (vollständiger deutscher Titel: “Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer”). Der viel diskutierte Report gilt mit seinen zukunftsweisenden Strategien und Konzepten bis heute als Meilenstein der Entwicklungspolitik.

    Mit diesem Bericht leitete die Nord-Süd-Kommission eine Wende in der Entwicklungspolitik Kaputter Linkein: “Entwicklung ist mehr als der Übergang von arm zu reich, von einer traditionellen Agrarwirtschaft zu einer komplexen Stadtgemeinschaft. Sie trägt in sich nicht nur die Idee des materiellen Wohlstands, sondern auch die von mehr menschlicher Würde, mehr Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit.”

    Die Nord-Süd-Kommission zieht eine Bilanz der Entwicklungspolitik und verlangt, die unterprivilegierten Länder des Südens in die Weltwirtschaft zu integrieren. Sie verspricht sich davon die notwendige Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation in den benachteiligten Ländern. Die Empfehlungen des Berichts nehmen Industrie- und Entwicklungsländer unter dem Aspekt des gegenseitigen Nutzens gleichermaßen in die Pflicht.

    Mit Aktionsprogrammen, Projekten und Reformen will man dem Ernährungsproblem, dem Bevölkerungswachstum, der wachsenden Umweltproblematik und der Ressourcenknappheit entgegenwirken. Das Sofortprogramm umfasst z.B.

    • die gezielte Erhöhung der Entwicklungshilfe
    • eine internationale Energiestrategie, die die weltweite Energieversorgung sicherstellt und Umweltbelange berücksichtigt
    • ein weltumspannendes Nahrungsmittelprogramm.

    Mit einer weitgehenden Handelsliberalisierung, einem Abbau des Protektionismus und diversen Agrar- und Strukturanpassungsprogrammen sollen die Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden, ihre Ernährungssicherung zu verbessern und die Exportkapazität zu erhöhen.Neben einer Umgestaltung und Ausweitung der Finanzhilfen soll ihnen auch eine größere Mitsprache im Rohstoffhandel zugebilligt werden. Der Süden wirkt seinerseits durch Reformen wie der Umverteilung von Produktionsmitteln und Einkommen und Dezentralisierung an einer beschleunigten Weiterentwicklung mit.

    Trotz des internationalen Beifalls für die visionären Vorschläge der Nord-Süd-Kommission bleibt der Brandt-Bericht bis heute fast gänzlich unverwirklicht. Vor allem die Industriestaaten führten die Vorschläge stets im Munde, ohne je danach zu handeln. Die Lage vieler Entwicklungsländer ist deshalb heute schlechter als 1980.

    Willy Brandt schreibt in seinem VorwortKaputter Link: “Unser Bericht gründet sich auf das wohl einfachste gemeinsame Interesse: Dass die Menschheit überleben will und – wie man hinzufügen könnte – auch die moralische Pflicht zum Überleben hat. Dies wirft nicht nur die klassischen Fragen nach Krieg und Frieden auf, sondern schließt auch ein, wie man den Hunger in der Welt besiegt, wie man das Massenelend überwindet und die herausfordernden Ungleichheiten in den Lebensbedingungen zwischen Reichen und Armen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Dieser Bericht handelt vom Frieden.”

    Interne Links

    Externe Links

    B


  • Nord-Süd-Kommission

    Die Bemühungen Willy Brandts um eine weltpolitische Zusammenarbeit, die er nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundekanzlers intensiviert hat, finden weltweite Beachtung. Im Jahre 1977 bittet Robert McNamara, der Präsident der Weltbank, Willy Brandt, den Vorsitz einer “Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen” (“Nord-Süd-Kommission”) zu übernehmen. Brandt hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vielzahl politischer Verpflichtungen zu erfüllen. Er ist Vorsitzender der SPD, Präsident der Sozialistischen Internationale, Mitglied des Deutschen Bundestages und kandidiert auf Platz 1 der SPD-Liste zur ersten direkten Wahl des Europäischen Parlamentes. Gleichwohl sagt Brandt zu, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen.

    Willy Brandt kann für eine Mitarbeit in der Nord-Süd-Kommission namhafte Politiker und Experten aus verschiedenen Entwicklungs- und Industrieländern gewinnen. Die Beratungen nehmen über zwei Jahre in Anspruch. Am 12. Februar 1980 legt die Kommission in New York dem Generalsekretär der Vereinten Nationen den “Nord-Süd-Bericht” vor. Sein vollständiger deutscher Titel lautet: “Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie -und Entwicklungsländer”. Die Studie wird allgemein unter dem Namen “Brandt-Report” bekannt und erregt weltweit große Aufmerksamkeit.

    Der Brandt-Report zieht eine Bilanz der Entwicklungspolitik und verlangt, die unterpriviligierten Länder des Südens in die Weltwirtschaft zu integrieren. Die Nord-Süd-Kommission verspricht sich davon die notwendige Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation in den benachteiligten Ländern. Zugleich wird von den reichen Industrieländern des Nordens gefordert, ihre Mittel und Macht mit den Ländern des Südens zu teilen. Der Bericht enthält ein Bündel von Vorschlägen zur Reform und Umgestaltung des Weltwirtschaftsystems und bewertet die Einführung einer neuen Weltwirtschaftsordnung als wichtigen Beitrag, um das gemeinsame Überleben der Menschheit zu sichern. Dabei wird auf den Zusammenhang von Hochrüstung und Armut in den Ländern der Dritten Welt hingewiesen: Eine weltweite Abrüstung setze große Geldsummen frei, die für die Entwicklung der Dritte-Welt-Länder aufgewandt werden könnten.

    Willy Brandt schreibt im Vorwort der umfangreichen Ausarbeitung: “Unser Bericht gründet sich auf das wohl einfachste gemeinsame Interesse: Daß die Menschheit überleben will und – wie man hinzufügen könnte – auch die moralische Pflicht zum Überleben hat. Dies wirft nicht nur die klassischen Fragen nach Krieg und Frieden auf, sondern schließt auch ein, wie man den Hunger in der Welt besiegt, wie man das Massenelend überwindet und die herausfordernden Ungleichheiten in den Lebensbedingungen zwischen Reichen und Armen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Dieser Bericht handelt vom Frieden.”

  • Bericht der Nord-Süd-KommissionDas Überleben sichern

    In England ist er zum Bestseller geworden, hat die Bevölkerung alarmiert und die Regierung beunruhigt. In der Bundesrepublik ist er weitgehend unbekannt geblieben, in den Buchhandlungen stoßen Kaufwünsche auf bedauerndes Achselzucken, auf Lager liegt das Gesuchte seiten. Die Rede ist vom Bericht der Nord-Süd-Kommission, die sich jahrelang unter dem Vorsitz von Willy Brandt Gedanken darüber gemacht hat, wie die Menschheit davon abgehalten werden kann, sich selber das eigene Grab zu graben:

    „Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer. Bericht der Nord-Süd-Kommission“. Mit einer Einleitung des Vorsitzenden Willy Brandt. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 1980; 381 S., 19,80 DM.

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    In dem leicht lesbaren Bericht (der den vorige Woche vorgestellten Report „Global 2000“ ergänzt) werden die großen Themenkreise gebündelt, über die die Menschheit sich verständigen muß, wenn es nicht zur Katastrophe kommen soll: Hunger, Bevölkerungsexplosion, Unterentwicklung und Armut in den meisten Regionen der Erde und Überentwicklung und Überfluß in einigen wenigen; das Gefälle zwischen Nord und Süd, das Gerangel um Ressourcen und Energiequellen, die völlig aus dem Lot geratene Weltwährungs- und Weltwirtschaftsordnung.

    Gewiß, der Brandt-Report hat große Schwächen. Die Kommission vergab die Chance, neue und praktizierbare Entwicklungsleitlinien auszuarbeiten; statt dessen hat sie sich weitgehend auf Bestandsaufnahmen beschränkt. Und sie erhofft sich allzuviel vom Milliarden-Transfer in die Dritte und vierte Welt, ohne zugleich auch auf politischen und sozialen Reformen in diesem Gebiet zu bestehen. Ohne sie sind derartige Finanzspritzen wenig sinnvoll.

    Dennoch ist der Kommissionsbericht eine wichtige und zum Nachdenken anregende Bilanz, gerade bei der allenthalben sichtbar werdenden Tendenz, Entwicklungsprobleme wieder auf das Abstellgleis zu schieben. Für Willy Brandt und seine Kommission, ja für die Nord-Süd-Politik überhaupt wäre das eine Fehlentscheidung, die sich keine Regierung mehr auf dieser Erde leisten kann. Denn: „Die Herausforderungen kommender Jahrzehnte werden nicht durch ein gegnerisches System von Gewinnern und Verlierern bewältigt werden – Nord gegen Süd und Ost gegen West, sondern nur durch eines, das sich auf allumfassende menschliche Solidarität und internationale Zusammenarbeit gründet.“

    Gabriele Venzky

  • http://www.zeit.de/1981/28/das-ueberleben-sichern
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