Ex-US-Geheimdienstler: Stasi hätte Freude an dem US-Überwachungsregime: Geheimprogramm PRISM: Zugriff auf Google, Facebook und andere Konzerne – Unternehmen wollen nicht davon wissen, Regierungsvertreter bestätigen! USA verlieren jeden Respekt vor individuellen demokratischen Rechten auch und vor allem von Nicht-US-Bürgern!

USA zapfen Rechner von Internet-Firmen an

7. Juni 2013, 07:39
  • Der Nachrichtendienst NSA und die Bundespolizei FBI haben direkten Zugriff auf Daten von Google, Facebook und Co.
    foto: ap

    Der Nachrichtendienst NSA und die Bundespolizei FBI haben direkten Zugriff auf Daten von Google, Facebook und Co.

  • Die "Washington Post" enthüllt, dass Unternehmen wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Paltalk, AOL, Skype, Youtube und Apple mit der NSA und dem FBI zusammenarbeiten.

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    screenshot: webstandard

    Die “Washington Post” enthüllt, dass Unternehmen wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Paltalk, AOL, Skype, Youtube und Apple mit der NSA und dem FBI zusammenarbeiten.

Geheimprogramm PRISM: Zugriff auf Google, Facebook und andere Konzerne – Unternehmen wollen nicht davon wissen, Regierungsvertreter bestätigen

Der US-Geheimdienst hat Medienberichten zufolge direkten Zugang zu den Computersystemen von neun der führenden Internet-Konzerne des Landes und greift darüber auf private E-Mails, Fotos, Videos, Dokumente und Audiodateien zu. Wie die “Washington Post” am Donnerstag berichtete, arbeiten die Unternehmen Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Paltalk, AOL, Skype, Youtube und Apple wissentlich als Teil des PRISM-Programms mit dem Nachrichtendienst NSA und der Bundespolizei FBI zusammen. In ersten Stellungnahmen wiesen mehrere der Konzerne den Vorwurf zurück, direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren.

Geheim

Der “Washington Post” liegen nach eigenen AngabenDokumente und Powerpoint-Vorlagen zu dem bisher streng geheimen Programm vor. Diese seien der Zeitung von einem Geheimdienstmitarbeiter zugespielt worden, der über die nach seiner Sicht grobe Verletzung der Privatsphäre der Nutzer entsetzt gewesen sei. “Die können im wahrsten Sinne des Wortes sehen, wie Sie beim Tippen Ihre Gedanken ausformulieren”, wurde der Insider zitiert. Wer als Kongress-Abgeordneter von dem Programm wisse, unterliege einer Schweigepflicht.

In US-Kreisen wurde die Existenz des Programms bestätigt. Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, erfasst würden nur die Daten von Nicht-US-Bürgern, die außerhalb des Landes lebten. Der Kongress habe das Programm jüngst “nach ausführlichen Anhörungen und Debatten” verlängert. Im selben Atemzug betont man, dass diese Maßnahme vollkommen durch US-Gesetze gedeckt und essentiell für den Schutz vor terroristischen Angriffen sei.

Unter Präsident George W. Bush ins Leben gerufen

Der Zeitung zufolge wurde PRISM (“Prisma”) 2007 unter Präsident George W. Bush ins Leben gerufen und von dessen Nachfolger Barack Obama ausgebaut. In den vergangenen sechs Jahren sei die Nutzung exponentiell gewachsen und inzwischen die Grundlage für jeden siebenten Geheimdienstbericht. “Die Berichte der NSA stützen sich zunehmend auf PRISM”, zitierte die Zeitung aus den Unterlagen. Der Zugang zu den Servern stelle heute die umfangreichste Quelle für die täglichen Berichte des Präsidenten dar. Diese hätten im vergangenen Jahr in 1.477 Einträgen PRISM-Erkenntnisse zitiert.

Microsoft nahm 2007 als erster sogenannter “Partner im Privatsektor” am Programm teil, hieß es weiter. Apple verweigerte demnach fünf Jahre lang die Mitarbeit, bevor der Konzern auch beigetreten sei. Zwar sei PalTalk ein deutlich kleinerer Dienst als die anderen. Er sei jedoch während des Arabischen Frühlings und des Bürgerkriegs in Syrien rege genutzt worden. Der Online-Speicherdienst DropBox solle “in Kürze” dazustoßen. Twitter war auf der Liste nicht vertreten.

Hintertür

In ersten Reaktionen erklärten Microsoft, Google, Apple, Facebook und Yahoo, man gewähre keiner offiziellen Stelle einen direkten Zugang zu seinen Servern. Google teilte mit, der Regierung sei nie “eine Hintertür” geöffnet worden. Microsoft erklärte, man leiste nur Anweisungen folge, die sich auf “spezifische Nutzer oder identifizierende Merkmale” bezögen. “Wir haben noch nie von PRISM gehört”, sagte ein Apple-Sprecher. Wenn eine Regierungsstelle Zugang zu Nutzerdaten erhalten wolle, müsse sie eine richterliche Anordnung vorlegen. Auf die direkte Frage, ob man am NSA-FBI-Programm teilnehme, lehnte Apple eine weitergehende Stellungnahme ab.

Der Bericht über das PRISM-Programm wurde nur Stunden nach der Enthüllung einer groß angelegten Sammlung von Telefon-Verbindungsdaten durch die US-Geheimdienste veröffentlicht. Laut der britischen Zeitung “Guardian” gingen vom Telekomkonzern Verizon detaillierte Informationen über alle inneramerikanischen und internationalen Gespräche an die NSA.

Unumkehrbar

Der nationale Geheimdienstkoordinator der USA, James Clapper, verurteilte die Veröffentlichung geheimer Gerichtsdokumente, die die Telefondaten-Sammlung belegen. Die unerlaubte Publikation des hoch geheimen Dokuments durch den “Guardian” drohe, die Fähigkeit der Sicherheitsdienste zur Identifizierung von Bedrohungen “lang anhaltend und unumkehrbar zu gefährden”, erklärte Clapper am Donnerstag.

Die Berichte über den Umgang der US-Regierung mit dem Datenschutz kommen für Kritiker nicht überraschend: Obama wurde schon vorher ins Visier genommen, weil sich seine Regierung heimlich Telefon-Daten von Journalisten der Nachrichtenagentur AP und zu E-Mails eines Fox-Fernsehreporters verschaffte. (APA, 7.6.2013)

Link

Bericht bei der Washington Post

http://derstandard.at/1369362942807/Geheimprogramm-PRIS-US-Regierung-zapft-Rechner-von-Internet-Firmen-an

Nachlese

Ex-US-Geheimdienstler: “Die Stasi hätte ihre Freude an unserer Ausrüstung”

Ex-US-Geheimdienstler: “Die Stasi hätte ihre Freude an unserer Ausrüstung”

29. Dezember 2012, 12:08
  • Thomas Drake drohten als Staatsfeind 35 Jahre Haft.
    foto: thomas_drake1 @ twitter.com

    Thomas Drake drohten als Staatsfeind 35 Jahre Haft.


Ehemalige Mitarbeiter der NSA packen am “29c3”-Kongress aus

Zwei ehemalige Mitarbeiter der National Security Agency (NSA), einem US-Geheimdienst der für die globale Überwachung und Entschlüsselung von elektronischer Kommunikation zuständig ist, haben am diesjährigen Chaos Communication Congress (29c3) in Hamburg ausgepackt.

Illegale Überwachung nach 9/11

So sagt etwa einer der beiden, Thomas Drake, dass beim NSA schon kurze Zeit nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vormals für den Einsatz gegen äußere Bedrohungen gedachte Spionagemittel gegen die “eigenen Leute” eingesetzt worden seien, wie heise zitiert. Dies soll ohne richterliche Genehmigung und somit verfassungswidrig geschehen sein.

Dabei hätte der NSA schon damals über ein Filtertool namens ThinThread verfügt, das leistbar und effizient die Daten unverdächtiger Personen aus der Überwachung habe ausschließen können. Drakes Ansicht nach hätten durch den Einsatz von ThinThread die Anschläge von vor elf Jahren verhindert werden können. Jedoch entschied man sich dafür, auf das Trailblazer-System zu setzen, welches 2005 nach einer Kostenexplosion eingestellt wurde.

Vom NSA-Angestellten zum Staatsfeind

Drake, der der Ansicht ist, dass der Staat alles über seine Bürger wissen will, schildert auch seine eigenen Erfahrungen mit der Regierung. So habe er einem Journalisten Einblick in Akten ermöglicht, die jedoch nicht als “geheim” eingestuft waren. In Folge dessen sollen die Dokumente nachträglich als “top secret” klassifiziert und Informationen verzerrt worden sein, um ihn hinter Gitter zu bekommen. Bis zu 35 Jahre Haft drohten Drake, der zweieinhalb Jahre als Staatsfeind betrachtet wurde, ehe er aus Mangel an Beweisen wieder auf freien Fuß kam.

“Wie kann eine Demokratie neben einem Sicherheitsstaat existieren?”

Dystopien, wie sie George Orwell in “1984” beschreibt, sind seiner Ansicht nach bereits Alltag. “Die Stasi hätte ihre Freude an unserer Ausrüstung”, meint der Ex-NSA-Mitarbeiter unter Verweis auf das damalige DDR-Regime und seinen weitreichenden Überwachungsapparat. “Wie kann eine lebendige Demokratie neben einem Sicherheitsstaat existieren?”, fragt sich Drake

“Krieg” gegen Whistleblower

Seine Anwältin, Jesselyn Radack, spricht gar davon, dass die Regierung “Krieg” gegen jene führe, die mit solchen Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Unter der Obama-Regierung sind diesbezüglich bereits mehr Personen angeklagt worden, als unter allen vorhergehenden Administrationen insgesamt. Auch sie selbst sei im Rahmen ihrer Arbeit als Juristin und Menschenrechtsexpertin bereits auf der berüchtigten “No Fly”-Liste vermerkt worden, was zur Folge hatte, dass sie sich bei jedem Flug einer genauen Leibesvisitation unterziehen musste.

Sie hält die neuen Mittel des Digitalzeitalters für eine Chance, sich gegen Despoten zu wehren und hebt die Bedeutung von Organisationen wie WikiLeaks hervor, über die große Mengen an brisantem Material schnell an die Öffentlichkeit gelangen. Sie kritisiert den Staat dafür, diese moderne Technik gegen Aufdecker einzusetzen.

ThinThread analysiert fünf Petabyte an Daten pro Minute

Als zweiter ehemaliger NSA-Angestellter trat auch William Binney ans Rednerpult. Er hatte einst das bereits erwähnte Filterprogramm ThinThread mitentwickelt. Obwohl er über Jahre hinweg versucht habe, die jeweiligen Kongressführer, in Parlaments-Ausschüssen und im Justiz-Ministerium selbst Aufmerksamkeit auf die Missstände innerhalb der Überwachungsprogramme zu schaffen, seien deren Aktivitäten immer stärker ausgeweitet worden.

Nach seiner Pensionierung ging Binney schließlich an die Öffentlichkeit. Er erzählt, dass alleine vom Telekommunikationsdienstleister AT&T tagtäglich mehrere hundert Millionen Spuren an die NSA übermittelt werden. Zu Beginn der der ThinThread-Entwicklung hatte man eine Auswertungskapazität von 20 Terabyte pro Minute angepeilt, mittlerweile dürften im gleichen Zeitraum rund fünf Petabyte an Informationen analysiert werden können. (red, derStandard.at, 29.12.2012)

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