Syrische Rebellen: Keine Teilnahme an Verhandlungen bevor wir nicht mit Kriegsgewalt eine stärkere Position errungen haben! Die Kämpfe eskalieren derweil! Zudem Machtkampf in beiden Lagern!

Bürgerkrieg in Syrien

Die Kämpfe in Homs und Aleppo eskalieren

Heute, 06:00
Ein Kämpfer der freien syrischen Armee in einer Moschee in Aleppo.
Ein Kämpfer der freien syrischen Armee in einer Moschee in Aleppo. (Bild: Reuters)
Die syrische Armee führt in Homs ihre Offensive gegen die Aufständischen weiter. In Aleppo hingegen wurde sie in die Defensive gedrängt.
Jürg Bischoff, Beirut

Während die syrischen Regierungstruppen die Rebellen in der östlichen Peripherie von Damaskus weiter zurückdrängen, sind sie in Homs, der drittgrössten Stadt Syriens, im Begriff, die verbleibenden Aufständischen ganz aufzureiben. Im Norden belagern die Rebellen hingegen die von der Armee gehaltene Hälfte von Aleppo und versuchen, diese auszuhungern. Die syrische Armee scheint weiterhin nicht in der Lage zu sein, gleichzeitig an mehreren Schauplätzen die militärische Initiative zu ergreifen.

Bedrohte Schiiten

In Homs bombardiert die Armee seit zehn Tagen intensiv Stadtteile im Zentrum und nördlich davon, welche die letzten Bastionen der Rebellen in der drittgrössten Stadt Syriens sind. Diese Viertel sind bereits teilweise zerstört, und nur noch wenige Zivilisten wohnen darin. Laut Aktivisten ist der Nachschub der dort verschanzten Rebellen weitgehend zusammengebrochen. Die Armee drang am Montag in das seit über einem Jahr umkämpfte Viertel Khaldiyeh ein; die Aufständischen beantworteten den Vorstoss mit zwei Autobomben in einem Viertel, in dem vor allem Christen und Alawiten, die Glaubensgemeinschaft von Präsident Asad, wohnen. Die Anschläge forderten vier Menschenleben.

Mit der Vertreibung der Rebellen aus Homs würde das Regime den Verkehrsknotenpunkt vollständig in den Griff bekommen, an dem sich die zentralen Nord-Süd- und West-Ost-Achsen des Landes kreuzen. Mit der Eroberung von Kusair, wenige Kilometer südwestlich der Stadt, hatten die Regierungskräfte vor einem Monat den Rebellen die Versorgungsroute nach Libanon abgeschnitten. Die Asad-Gegner vergelten den Sturm auf ihre letzten Bastionen in Homs mit der gleichen Münze in Aleppo und beschiessen die von der Regierung gehaltenen Teile seit Tagen mit Granaten und Raketen. Sie haben auch die Versorgung dieser Quartiere mit Lebensmitteln unterbunden.

Vor einer Woche haben die Rebellen den schiitischen Dörfern Nubul und Zahra im Nordwesten von Aleppo mit einem Angriff gedroht, falls sie sich nicht ergäben. Kurz davor hatten sie einen Armeehelikopter abgeschossen, der in eines der Dörfer flog. Die Armee hatte schon vor drei Wochen eine Operation eingeleitet, um die zwei Dörfer zu entsetzen, diese scheint aber steckengeblieben zu sein.

Präsident Asad hat am Montag, wie bereits gemeldet, die Führung der Baath-Partei ausgewechselt, die Syrien seit 50 Jahren beherrscht. In seiner Rede vor dem Zentralkomitee kritisierte Asad die mangelnde Kommunikation zwischen den Parteikadern und der Basis und forderte, die Partei müsse sich besser für die Interessen von Arbeitern, Bauern und Handwerkern einsetzen. Die Kritik deutet an, dass der abgelösten Führung vorgeworfen wurde, die Zeichen der Unrast in der Bevölkerung nicht erkannt und keine Gegenmassnahmen getroffen zu haben.

Vizepräsident Faruk ash-Sharaa ist zwar aus der Parteispitze ausgeschieden, behält aber seine Funktion als zweiter Mann im Staat. Beobachter sehen darin ein Anzeichen, dass das Regime den Sunniten Sharaa in der Hinterhand behält, um ihn als Kompromissfigur für eine allfällige Verhandlungslösung auszuspielen.

Druck auf Amerika

Ebenfalls am Montag hat der vor vier Monaten zum «Regierungschef» der Opposition ernannte Ghassan Hitto resigniert und sich ausserstande erklärt, ein Kabinett zu bilden. Er ist dem katarisch-saudischen Kampf um Einfluss in der syrischen Opposition zum Opfer gefallen, der mit der Wahl von Ahmed al-Jarba zum Chef der Nationalen Koalition am Sonntag mit einem knappen und wohl vorläufigen Sieg der Saudi geendet hat. Jarba machte am Sonntag klar, dass die Opposition zu keinen Verhandlungen mit dem Regime bereit ist, solange sich das militärische Blatt nicht zugunsten der Rebellen gewendet hat. Mit ihrer Weigerung, an den Verhandlungstisch zu gehen, macht die Opposition Druck auf Amerika und ihre anderen Unterstützer, mehr und bessere Waffen zu liefern.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/kaempfe-in-homs-und-aleppo-eskalieren-1.18113802

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