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Denker der Emanzipation

Zum WELTSYSTEMANSATZ von Samir Amin


Referiert von Alfred Germ
Die Zukunft des Weltsystems. Herausforderungen der Globalisierung.
Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Joachim Wilke

Samir Amin gilt gemeinsam mit Immanuel Wallerstein, Joshua Goldstein, André Gunder
Frank, Christopher Chase-Dunn, Giovanni Arrighi und Volker Bornschier (in Österreich
Otmar Höll, Andrea Komlosy, Kunibert Raffer und Arno Tausch) als bedeutender Vertreter
des Weltsystemansatzes. Geboren 1931 in Kairo, Studium der Ökonomie,
Politikwissenschaften und Statistik in Paris, Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei
Frankreichs, avanciert er als linker Intellektueller frühzeitig zum Pionier in der
Entwicklungstheorie. Er nimmt in seinen Analysen der späten 1950er Jahre wesentliche
Inhalte der aus Lateinamerika stammenden Dependenztheorie vorweg. Zentraler
Ansatzpunkt ist dabei eine fundamentale Kapitalismuskritik, in deren Zentrum die
Konfliktstruktur des Weltsystems steht. Amin konstatiert dazu drei Grundwidersprüche der
kapitalistischen Ideologie:
1.) Die Erfordernisse der Rentabilität stehen gegen das Streben der Werktätigen ihr
Schicksal selber zu bestimmen (Arbeitsrecht und Demokratie wurden gegen die
kapitalistische Logik erzwungen)
2.) Das kurzfristige rationelle ökonomische Kalkül steht gegen langfristige
Zukunftssicherung (Ökologiedebatte)
3.) Die expansive Dynamik des Kapitalismus führt zu polarisierenden Raumstrukturen –
Zentrum-Peripherie-Modelle
Immer wieder greift dabei auch Amin auf die Analysen von Marx, Polanyi und Braudel
zurück. Zentrale Bedeutung haben meiner Meinung nach die fundamentalen Erkenntnisse
Polanyis, die kurz zusammengefasst davon ausgehen, dass
1.) der Markt ist eben nicht selbst regulierend
2.) Vermarktung der Arbeitskraft, der Natur, des Geldes stiftet Chaos und sozial
Unerträgliches
3.) Kapital jagt der Marktideologie nach, sobald es die politische Lage erlaubt
In seinem Werk „Die Zukunft des Weltsystems“ 1997 analysiert er abermals die zentralen
Begriffe und Ansätze der Weltsystemtheorie. „Der Kapitalismus ist … als Produktionsweise
wie als Weltsystem zugleich selbstmörderisch und kriminell, denn letzten Endes führt er zu
Massen- und Völkermord in seinen zur Revolte gedrängten Peripherien“. Diese Kritik zieht
sich durch die gesamte Darstellung seines Werkes. Immer wieder fordert er eine radikale
Änderung der bestehenden heute neoliberalen Verhältnisse, die insbesondere die
Peripherien immer noch stärker marginalisieren werden. Sein Eintreten für einen weltweiten
Sozialismus mag als idealistisch überzogen bewertet werden; Amin steht zu diesem
humanistischen Projekt, zu dem eine Überwindung des Kapitalismus unbedingte
Voraussetzung ist. Für den gegenwärtig herrschenden konservativ – neoliberalen Diskurs
findet Amin nur abwertende Prädikate wie Vulgarität, Naivität, Banalität oder Lächerlichkeit.
Seine Ausführungen kreisen auch um die Theoriedebatten der 1990er Jahre, als mit
Fukuyamas Thesen vom „Ende der Geschichte“ und Huntingtons „The Clash of Civilizations“
zwei neokonservative – wollen wir sie als „Wissenschafter“ apostrophieren – starken Einfluss

auf die realpolitische Entwicklung ausübten. Neben der vollkommen unpräzisen Einteilung
oder Abgrenzung der Kulturkreise bei Huntington (Zuordnung Japans, der orthodoxen
Christen, der Afrikaner) lehnt Amin die Gleichsetzung des modernen Kapitalismus mit der
westlichen Kultur entschieden ab. Amin beschreibt das Weltsystem als ein kapitalistisches
Weltsystem, das sich in den 1990er Jahren zu einem Globalsystem entwickelt hat. Einleitend
formuliert er dazu drei zentrale Thesen:
1.) Das kapitalistische Weltsystem bestimmt nicht nur das Wirtschaftsleben, sondern
auch die Sozialsysteme
2.) Das kapitalistische Weltsystem ist erstmals ein globales
3.) Das kapitalistische Weltsystem führt zur Polarisierung
Amir untersucht das Weltsystem mit dem Polarisierungskonzept, das die Zentren dieses
System hervorbringen und die Peripherien konstituieren. Damit fokussiert er auf die
zentralen Begriffe des Weltsystemansatzes, Zentrum und Peripherie, die rein ökonomisch
definiert sind. Anders als Immanuel Wallerstein oder Giovanni Arrighi lehnt er die Kategorie
der Semiperipherie oder Halbperipherie ab. In Bezug auf Arrighi lehnt er dies als
„Kunstgriff“ und als „einen unnützen Schuss Willkür“ ab. Weltsystemansätze gehen immer
von einer historischen Analyse aus. So auch Amin im vorliegenden Werk.
Zentraler Ansatz ist das Wesensmerkmal der Polarisierung, das dem Kapitalismus inne
wohnt. Hauptzüge der Polarisierung sind ländliche, nichtindustrialisierte Peripherien, die sich
auf Landwirtschaft und Bergbau konzentrieren. Er bezieht sich ferner auf das Element des
Ungleichen Tausches und benennt in Anlehnung an Arrighi zumindest 4
Polarisierungsmechanismen:
1.) Kapitalflucht erfolgt von der Peripherie ins Zentrum
2.) Selektive Migration von Arbeitskräften verläuft in dieselbe Richtung
3.) Monopolsituation der zentralen Gesellschaften in der globalen Arbeitsteilung, vor
allem das Technologiemonopol und das Monopol der globalen Finanzen
4.) Kontrolle der Zentren über den Zugang zu Naturschätzen
Diese Polarisierung kann nie überwunden werden, da sie systemimmanent ist. Auch die
Versuche einer Neugliederung der Welt mit „Vierte Welt“ und NICs als Beispiele für
Entwicklung hin zum Zentrum lehnt Amin ab, da die „Vierte Welt“ seit jeher Bestandteil des
Kapitalismus ist.
Amin vertritt in Bezug auf das zyklische Verhalten des Kapitalismus entgegen den
Erkenntnissen von Kondratjew eine Minderheitenposition innerhalb der
Weltsystemtheoretiker. Er lehnt eine Zyklus-Theoriebildung und etwaige historische
Rückprojektion ab. Er meint, dass die kapitalistische Produktionsweise, die auf
internationaler Arbeitsteilung beruht, durch einen inneren sozialen Widerspruch dauernd
angetrieben wird „mehr zu produzieren, als konsumiert werden kann“. Die
Akkumulationsdynamik im Kapitalismus erklärt sich daher nicht einzig aus einer
ökonomischen Perspektive, sondern benötigt immer den soziostrukturellen Kontext. Ferner
kritisiert er auch gewisse Ungenauigkeiten in der Kapitalismus-Definition innerhalb der
Weltsystemanalytiker. Seine Definitionen zielen auf Fragen des Lohndrucks, der ungleichen
Verteilung des Einkommens, der Ausbeutung der Arbeit und Stagnationsphasen als „die
chronische Krankheit des Kapitalismus“.
In Anlehnung an Goldstein diskutiert Amin die Rivalität der Mächte im kapitalistischen
System und ihre hegemoniale Stellung. Goldstein nennt dazu 4 Hegemonie-Zyklen in der
Geschichte:
1.) venezianische Hegemonie 1350-1648

2.) holländische Hegemonie 1648-1815
3.) britische Hegemonie 1815-1845
4.) amerikanische Hegemonie ab 1945
Auch eine Periodisierung anhand von Wachstumsraten nach Braudel überzeugt Amin nicht.
Er hält wenig von Generalisierungen und dem Suchen nach allgemeinen Gesetzen von
Akkumulationsprozessen, die quasi ein prophetisches Voraussagen ermöglichen würden. Er
fokussiert viel mehr auf die Konzepte des Historischen Materialismus, die Antwort auf die
hegemoniale Stellung innerhalb des Weltsystems geben. Für ihn ist Hegemonie innerhalb
des Systems auch nicht die Regel. Er sieht die Geschichte daher auch nicht als Abfolge von
Hegemonien. Viel entscheidender scheint die Auseinandersetzung zwischen den Partnern,
die versuchen den bestehenden Hegemon zu entthronen. Er diagnostiziert daher die
andauernde Rivalität als konstitutives Element im Weltsystem. Armin baut seine Analysen
dabei um das Gesetz der Akkumulation im Weltmaßstab (globalisiertes Wertgesetz) auf,
das aus der Integration der Dimensionen Waren, Kapital und Arbeit seine dominante
Durchdringung des Weltsystems entwickelt.
Auch der Kapitalismus ist in Anlehnung an Marx nicht auf die Kombination von
Privateigentum, Lohnarbeit und Machtverhältnisse zu reduzieren, sondern erklärt sich aus
dem Historischen Materialismus. Diese Kombination kennzeichnet auch die Vorgeschichte
des Kapitalismus, wobei Amin diese frühen Systeme in China, Indien oder im Arabischen
Raum als tributäre Systeme bezeichnet. Der moderne Kapitalismus, den Amin als
europäisches Produkt klassifiziert und damit eine eurozentristische Perspektive
postuliert, basiert in historischer Entwicklung auf der Verstädterung, der Agrarrevolution
und des exponentiellen Wachstums, das durch Kapitalakkumulation gekennzeichnet war.
Amir verweist auf seine früheren Arbeiten und listet ferner die Neulandgewinnung, die
Herausbildung des absolutistischen Staates mit seinem Merkantilismus und der Eroberung
samt Ausbeutung Amerikas als zentrale Elemente für die Herausbildung des kapitalistischen
Systems in Europa auf. Für die Zeit vor 1500 charakterisiert Amin seine Tributsysteme durch
eine Dominanz der Politik über die Ökonomie. Für die Herausbildung des Kapitalismus gilt
ihm eine Dominanz der Ökonomie über die Politik. Er nennt diesen Ansatz die Theorie der
Umkehr der Dominanzbeziehung. Damit einher geht eine Monetarisierung des Systems,
indem sich die Dominanz von Geld-, Finanz- und Produktivkapital – an den Beispielen
Genua, Florenz, der Niederlande verdeutlicht – herausbildet. Kombiniert wird diese
Entwicklung durch die Territorialisierung des Kapitalismus, d.h. der Fähigkeit des
kapitalistischen Systems durch eine expansive Dynamik neue Räume zu erobern. Diese
Eigenschaft ist systemimmanent. Besonders der Vorgang der Monetarisierung aus dem Set
neoliberaler Strategien gilt Amin dabei – entgegen heute dominanter neoklassischer
Positionen – lediglich als eine Form des Krisenmanagements und niemals als Strategie zur
Überwindung der Krise. Er nennt diese Monetarisierung den „Weggesellen der Stagnation“.
Auch die kulturalistischen Ansätze a la Huntington, die sich selbst als Antwort auf die
derzeitige Krise sehen, sind für Amin in Wirklichkeit nur Teil des derzeitig ablaufenden
Krisenmanagements.
Die Zukunft der weltweiten Polarisierung analysiert Amin wie folgt: In der Nachkriegszeit
kam es gemäß modernisierungstheoretischer Ansätze zur versuchten Industrialisierung der
Peripherien mit gleichzeitiger Herausbildung von Nationalstaaten (Entkolonialisierung). Er
nennt diese Konstellation das alte Globalisierungssystem. Als zwei weitere Stützpfeiler der
Entwicklung nach 1945 gelten ihm das vom Weltsystem abgekoppelte sowjetische Projekt –
von ihm als „Kapitalismus ohne Kapitalisten“ bezeichnet – und für Europa der historische
Kompromiss zwischen Kapital und Arbeit herbeigeführt durch die keynesianische
Regulierung. Immer wieder ist der Verfasser dieser Zeilen daher überrascht, wie man
gerade den letzten Punkt zur Erfolgsstory der europäischen Nachkriegsentwicklung –
zunächst ohne Osteuropa – so oft übersehen oder ignorieren kann. Gerade das europäische
Wohlfahrtsstaatsmodell hat den europäischen Erfolg bewirkt. Heute spricht Amir von einer
Globalisierung mit Chaos und „globaler Unordnung“, die durch ein mehrfaches Versagen des
Systems gekennzeichnet ist:

1.) Fehlen neuer politischer und sozialer Organisationsformen, die den erodierten
Nationalstaat ersetzen würden
2.) Fehlen von ökonomischen und politischen Beziehungssystemen, die den
Industrialisierungsprozess Asiens und Lateinamerikas sichern könnten
3.) Beziehungen zu Afrika wurden nur im Sinne einer Ausgrenzung gestaltet
Die gegenwärtige Krise charakterisiert Amin gleichsam mit vielen anderen Autoren durch die
Wachstumskrise seit den 70er Jahren (B-Phase eines Kondratjewzyklus), die Dominanz
des Kapitals über die Politik – konkret durch die TNCs -, die dramatische
Monetarisierung, und für ihn besonders wichtig, eine Nicht-Realisierung seiner
Abkopplungstheorie im Nord-Süd-Konflikt.
Seine Beschreibungen zum Begriff Globalisierung decken sich in wesentlichen Zügen mit
vielen anderen globalisierungskritischen Werken der 90er Jahre, als eine regelrechte Flut an
Publikationen sowohl den wissenschaftlichen, als auch den populärwissenschaftlichen
Büchermarkt überschwemmte. Als wichtigste Botschaft scheint mir dabei zu gelten, dass
das Phänomen der Globalisierung eben nicht – wie so oft dargestellt als Sachzwanglogik –
etwas naturgemäßes sei, sondern mit dem zentralen Element der Deregulierung eine
bewusst politisch gesteuerte Strategie darstellt. Die historischen Beispiele wurden mit Chile,
Thatcherismus und Reaganomics hinlänglich beschrieben.
Das Neue am Weltsystem macht Amin dabei an zwei Erosionsprozessen fest. Der Erosion
des Nationalstaates, wo politischer Raum und Raum der Kapitalakkumulation nicht mehr
identisch sind. Und einer Erosion des Schemas „industrialisiertes Zentrum –
nichtindustrialisierte Peripherien“. Damit verbunden sind aber neue Dimensionen der
Polarisierung, die das Weltsystem weiter begleiten werden. Amin nennt die Monopole der
Zentren bezüglich Technologie, Finanzen, Naturschätze, Kommunikation/Medien und
Massenvernichtungswaffen als dominierende Parameter des neuen Weltsystems. Wenig
verwunderlich sieht Amin in diesen Konstellationen eine reaktionäre Utopie. Die zentrale
politische Herausforderung ist dabei der Umgang mit der kapitalistischen Globalisierung.
Dem Projekt der Globalisierung durch den Markt ist ein humanistisches Projekt der
Globalisierung entgegenzustellen. Dazu bedarf es des Aufbaus eines globalen Politischen
Systems, das dem Weltmarkt den Rahmen vorgibt. Dieses hätte Aufgaben der Abrüstung,
Ressourcennutzung, Schaffung neuer ökonomischer Lenkungssysteme anstelle von IWF,
Weltbank und WTO, sowie die Installierung eines „Weltparlaments“ zu bewerkstelligen.
Seine ungeschminkte Kritik gilt dabei naturgemäß dem derzeitigen Paradigma der
monetaristischen Schule der Geldpolitik. Wenig verwunderlich fordert er auch hier anstelle
einer Deregulierung der Finanzmärkte eine strikte Regulierung, da man – auch hier in
Anlehnung an Marx und Polanyi – Geld nicht einfach als normale Ware betrachten kann.
In einem anderen Szenario entwickelt er das künftige Weltsystem als von Chaos, sozialen
Unruhen und Genoziden bis hin zum Neofaschismus gekennzeichnet. Um diesem erfolgreich
entgegenwirken zu können ist eine vollständige Reorganisation des derzeitigen
Globalsystems notwendig, indem Amin unter anderem eine neue Sozialdemokratie, neue
Gesellschaftsverträge oder die Ausrichtung auf ein polyzentrisches Weltsystem
fordert. Beides ist heute in der realen Entwicklung nicht einmal in Ansätzen erkennbar, auch
wenn Amin hier optimistischer ist (wohl sein muss).
Im zukünftigen Weltsystem sieht er eine dominante Rolle für Asien als Zentrum der
kapitalistischen Akkumulation. Wenig verwunderlich geht er auch von einer gefestigten
Position Chinas als potentiellem Rivalen der USA aus. Amin geht von einem Weltsystem aus,
das aus drei verschiedenen Kategorien kapitalistischer Gesellschaften besteht:
1.) zentrale kapitalistische Gesellschaften: USA – Kanada, West- und Mitteleuropa, Japan

2.) integriert-periphere kapitalistische Gesellschaften: Osteuropa, Ex-UdSSR, Ostasien
(China, Korea), Südostasien, Lateinamerika ohne Karibik und Mittelamerika, eventuell
Indien
3.) marginalisiert-periphere kapitalistische Gesellschaften: Afrika, arabische und
muslimische Welt
Nach einem kurzen Überblick über den europäischen Einigungsprozess kritisiert er an
diesem den heute vorherrschenden neoliberalen Zugang und das Vernachlässigen der
sozialen und kulturellen Dimension. Auch der Vorrang der Einheitswährung vor einer
politischen und sozialen Union wird von Amin vehement kritisiert. Zum Zeitpunkt 1997
spricht Amin von einem „real existierenden Europa“, das ihm durch drei Schwächen
gekennzeichnet scheint:
1.) Europa ist noch immer kein einheitlich integrierter Wirtschaftsraum
2.) Europa hat kein gemeinsames Gesellschaftsprojekt, zumal ein starker
Erosionsprozess für den Wohlfahrtsstaat zu verzeichnen ist
3.) Europa fehlt ein Konzept hinsichtlich einer gemeinsamen Vorstellung gegenüber
anderen Weltregionen
Unter diesen Prämissen sieht er Europa auf dem „Holzweg“. Dem ist uneingeschränkt
zuzustimmen. Für Osteuropa prognostiziert Amin eine „Lateinamerikanisierung“, wobei
unverständlich bleibt, warum Deutschland einen Alleingang innerhalb des
Integrationsprozesses gehen soll. Er versteigt sich bei der Analyse zum deutschen Fall sogar
zu Formulierungen wie „demokratisches Viertes Reich für Deutschland“. Anzeichen dafür
seien die Interventionspolitik in Jugoslawien, das Hochspielen der Sudetenfrage und der
Drang nach Osten. Mit diesem Katastrophenszenario würde er sogar einen Rückfall in
nationale Europakonstellationen des 19. Jahrhunderts prognostizieren. Warum das
Europa-Projekt vor einer Auflösung steht, bleibt ungeklärt. Weshalb er von einem
„deutschen Europa“ als zweitbester Lösung spricht, ist ebenfalls unverständlich. Die
Integrationsgeschichte zeigt vielmehr den Erfolg durch das Einbinden Deutschlands in ein
größeres Europa, und dies erstmals in der Geschichte. Insgesamt zeichnet er ein
pessimistisches Bild vom europäischen Integrationsprozess, der durch zunehmende
Ungleichgewichte gekennzeichnet sein wird. Frankreich und Russland sollen nach Amin die
Erosion ihrer Positionen nicht hinnehmen. Für die sog. Osterweiterung konstatiert er bereits
1997. „Folglich werden die Länder des Ostens, wenn sie sich wieder ankoppeln und zum
Kapitalismus zurückkehren, im Bemühen um das Aufholen nicht schneller vorankommen,
sondern im Gegenteil wie alle Peripherien die Wirkung des ungebremsten Kapitalismus
erfahren, also zurückgeworfen werden.“ (S.23) Dies scheint aus einer
weltsystemanalytischen Perspektive durchaus plausibel und wird durch die rezenten
Beschreibungen des österreichischen Wissenschaftlers Hannes Hofbauer auch bestätigt. Es
sei hierzu aber eingewandt, dass die EU-Integration immer auch im Bewusstsein gerade
solcher Zentrum-Peripherie-Strukturen abgelaufen ist und die Struktur- und
Förderprogramme sowohl der EU-15, als auch der EU-25 gerade vor diesem Hintergrund
installiert worden sind, um einen Ausgleich dieser Disparitäten – wenn auch nicht lückenlos
erfolgreich – zu erreichen.
Für die USA sieht er wenig überraschend eine neo-imperialistische Hegemonie, die aber
keinesfalls zu einer Systemstabilität führen wird. Er geht von einer Rivalität USA – China
aus. Ferner fordert er die Schaffung demokratischer Strukturen innerhalb des
internationalen Systems und zielt damit primär auf die ökonomischen Weltorganisationen
IWF, Weltbank und WTO. Die Bildung von Großregionen wäre notwendig, um die
Monopolstrukturen zugunsten der peripheren Regionen zu durchbrechen. Diese Bildung von
Großregionen als Regionalisierung würde nichts anderes bedeuten als die von Amin
immer wieder geforderte Abkoppelung aus dem kapitalistischen System, um zu
eigenständiger Entwicklung zu gelangen. Amin nennt etwa die Region südliches Afrika um
Südafrika, Mittlerer Osten um Israel oder Israel-Ägypten, Mittelasien um Russland, die
Türkei oder den Iran, der Südteil Amerikas um Brasilien usf..

Als Aufforderung an die Linke formuliert er das Arbeiten an Theorie und Praxis, um
Antworten auf diese falsche Globalisierung zu finden und ein humanistisches Projekt Realität
werden zu lassen. Dazu sind folgende Debatten zu führen:
1.) Debatte über die Dialektik von Allgemeinem und Besonderem
2.) Debatte über das Verhältnis von politischer Demokratie und sozialem Fortschritt
3.) Debatte über die Dialektik von Markt und Gleichheit/Brüderlichkeit
4.) Debatte über die Bestimmung des weltweiten sozialistischen Ziels
Für die Wissenschaftsgemeinschaft fordert er eine intensivere Beschäftigung mit dem
zentralen Verhältnis von Politik/Macht und Ökonomie, da er hier grundlegende Fragen nicht
beantwortet sieht. Im Übrigen sieht er gerade die Linke für die Herausforderungen der
Globalisierung äußerst schlecht gerüstet. Ein Übernehmen bürgerlichen Denkens – man
könnte dazu die Politik eines Blairs oder Schröders als praktische Beispiele anführen – gilt
ihm als keine praktikable Lösung, um etwa die Phänomene der Globalisierung in den Griff zu
bekommen. Seine Kritik richtet sich gerade gegen die Linke, die heute den Staat als
Lenkungsinstrument attackieren und die sozialen Sicherungssysteme zerschlagen. Speziell
für Europa fordert er die explizite Definition von Gesellschaftsprojekten, die man durchaus
auch wieder Gesellschaftsvertrag nennen könnte. Für Amin wird „Europa entweder links
oder nicht sein.“ (S.125)
Für das Vorlegen dieses Werkes führt er an, dass es keine Rezepte für konkrete
Befreiungsstrategien liefern soll. Er plädiert aber für radikale Reformen, indem man auch
den abstrakten Gegensatz zwischen Reform und Revolution aufheben sollte. Er bescheidet
sich darauf, ein Werk vorgelegt zu haben, das den Reflexionsrahmen für die Debatte über
diverse Strategien herstellen sollte. Unter diesen Aspekten muss wohl auch das vorliegende
Werk Amins betrachtet werden. Es bringt immer wieder Ausschnitte des
Weltsystemansatzes, die vielleicht besser in den Originalen nachzulesen wären. Die
Analysen fokussieren daher – oftmals in wiederholender Weise – um die Begriffe
Kapitalismus, Zentrum/Peripherie, Ungleicher Tausch, Polarisierung, Hegemonie,
Akkumulation, Tributärsystem, Lange Wellen, Monetarisierung, Abkoppelung. Für
Nichtvertraute des Weltsystemansatzes kann die Lektüre daher eine durchaus brauchbare
Einstiegshilfe darstellen. Sie erspart meiner Ansicht nach aber nicht die Beschäftigung mit
den Standardwerken ihrer Vertreter, die Weltbilder tatsächlich zu verändern vermögen.

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Wir brauchen eine neue Weltwirtschaft, weil in der jetzigen Weltwirtschaft nur eine Milliarde im Wohlstand lebt und fünf Milliarden in Armut! Hunderte Millionen von Menschen sind nach 1945 bereits verhungert. Nur noch ein Prozent des Geldes dient dem Handel, 99 Prozent der Spekulation. Wo bleibt da die Bedarsdeckung, die der Zweck der Wirtschaft sein muss.

Peters Schrift über die Äquivalenz-Ökonomie zum Download: http://www.puk.de/about-warp-en/downloads-en/downloads-deutsch/viewdownload/2-downloads_de/3-das-aequivalenz-prinzip-als-grundlage-der-global-oekonomie.html?lang=de

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Arno Peters

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Arno Peters (* 22. Mai 1916 in Berlin-Charlottenburg; † 2. Dezember 2002 in Bremen) war ein deutscher Historiker und Kartograph.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Peters studierte nach dem Abitur Geschichte, Kulturgeschichte und Zeitungswissenschaften in Berlin.

Er erstellte die Synchronoptische Weltgeschichte, die die europäische Geschichte gleichrangig neben die Geschichte der großen asiatischen und afrikanischen Kulturen sowie des vorkolumbischen Amerikas stellt.

Gleichfalls strebte Peters in seinen geografischen Arbeiten die Überwindung des nach seiner Ansicht europazentrischen Weltbildes an. 1973 legte er eine Kartenprojektion der Erde vor (Peters-Projektion), die die Basis des 1989 erschienenen Peters-Atlas darstellte. Die darin enthaltenen Karten stellen alle Länder und Regionen der Erde im gleichen Maßstab und flächentreu dar.

Weiterhin beschäftigte sich Peters mit dem Konzept der Äquivalenzökonomie als Wirtschaftssystem, welche er als Alternative zur herrschenden kapitalistischen Produktionsweise ansah. Der Handel über freie Preisbildung mittels des Marktmechanismus im Kapitalismus soll dem Äquivalenzprinzip entsprechend einem Austausch äquivalenter Werte weichen. Grundlage dieser Werte bildet die in den Produkten materialisierte Arbeitszeit (siehe dazu auch bei Relativlohn). Damit diese Produktionsweise den menschlichen Bedürfnissen entsprechend funktionieren kann, ist weiterhin eine globale Planung der Wirtschaft notwendig, welche inzwischen durch den Einsatz modernster Datenverarbeitungstechnologie realistisch durchführbar sei. Er schuf in diesem Zusammenhang das Modell der Peters-Rose.

Politisch bekannte sich Peters zur Linken und er wurde deshalb auch wiederholt angegriffen. 1994 wurde er mit dem Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon in Bremen ausgezeichnet. Er wurde mit dem Doktor- und dem Professorentitel ehrenhalber wegen seiner bedeutenden und kritischen wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.

Publikationsauswahl

  • Peters-Weltatlas. Akademische Verlagsanstalt 1990. Vollst. überarb., aktual. Neuausgabe. Ullmann, Potsdam 2010. ISBN 978-3-8331-5559-8
  • Peters Synchronoptische Weltgeschichte, Zeitatlas mit Indexband. 1970, Ersterscheinen 1952, viele weitere Ausgaben bis 2000. ISBN 3-86150-370-0.
    • Digitale Ausgabe als: “Der Digitale Peters”. Aktualisiert von Andreas Kaiser. In einer elektronischen Ausgabe von Thomas Burch, Hans Rudolf Behrendt und Martin Weinmann. Büro W. GmbH. Zweitausendeins, Frankfurt 2000. Ausgabe 2012 für PC: XP, Vista, Win 7. Mac: Intel-Prozessor, ab OS 10.5. Mindestbildschirmauflösung: 1280×1024. 1 DVD-ROM. ISBN 978-3-86150-833-5
  • Arno Peters, Konrad Zuse: Was ist und wie verwirklicht sich Computer-Sozialismus : Gespräche mit Konrad Zuse. Verlag Neues Leben 2000. ISBN 3-35501-510-5

Literatur

  • Fritz Fischer: Der letzte Polyhistor. Akademische Verlagsanstalt, Vaduz 1996, ISBN 3-905-01907-8.
  • David Kuchenbuch: Arno Peters, die Peterskarte und die Synchronoptische Weltgeschichte. Mediale Repräsentationen der „Einen Welt“. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 59 (2011) no. 10. S. 824-846.
  • Stefan Müller: Equal Representation of Time and Space: Arno Peters’ Universal History. In: History Compass, vol. 8 (2010) no. 7. S. 718-229 (http://dx.doi.org/10.1111/j.1478-0542.2010.00693.x).
  • Stefan Müller: Gerechte Weltkarte. Die Kontroverse um die Peters-Projektion in historiographischer Perspektive, in: Kurt Brunner, Thomas Horst (Hrsg.): 15. Kartographiehistorisches Colloquium. München, 2.-4. September 2010. Vorträge, Berichte, Poster, Bonn: Kirschbaum 2012. S. 189-208.

Weblinks

19.11.1952

Arno Peters

Arno Peters (* 22. Mai 1916 in Berlin-Charlottenburg; † 2. Dezember 2002 in Bremen) war ein deutscherHistoriker und Kartograph.

Inhaltsverzeichnis

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Biografie [Bearbeiten]

Peters studierte nach dem Abitur Geschichte, Kulturgeschichte und Zeitungswissenschaften in Berlin.

Er erstellte die Synchronoptische Weltgeschichte, die die europäische Geschichte gleichrangig neben die Geschichte der großen asiatischen und afrikanischen Kulturen sowie des vorkolumbischen Amerikas stellt.

Gleichfalls strebte Peters in seinen geografischen Arbeiten die Überwindung des nach seiner Ansicht europazentrischen Weltbildes an. 1973 legte er eine Kartenprojektion der Erde vor (Peters-Projektion), die die Basis des 1989 erschienenen Peters-Atlas darstellte. Die darin enthaltenen Karten stellen alle Länder und Regionen der Erde im gleichen Maßstab und flächentreu dar.

Weiterhin beschäftigte sich Peters mit dem Konzept der Äquivalenzökonomie als Wirtschaftssystem, welche er als Alternative zur herrschenden kapitalistischen Produktionsweise ansah. Der Handel über freie Preisbildung mittels des Marktmechanismus im Kapitalismus soll dem Äquivalenzprinzip entsprechend einem Austausch äquivalenter Werte weichen. Grundlage dieser Werte bildet die in den Produkten materialisierte Arbeitszeit (siehe dazu auch bei Relativlohn). Damit diese Produktionsweise den menschlichen Bedürfnissen entsprechend funktionieren kann, ist weiterhin eine globale Planung der Wirtschaft notwendig, welche inzwischen durch den Einsatz modernster Datenverarbeitungstechnologie realistisch durchführbar sei. Er schuf in diesem Zusammenhang das Modell der Peters-Rose.

Politisch bekannte sich Peters zur Linken und er wurde deshalb auch wiederholt angegriffen. 1994 wurde er mit dem Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon in Bremen ausgezeichnet. Er wurde mit dem Doktor- und dem Professorentitel ehrenhalber wegen seiner bedeutenden und kritischen wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.

Publikationsauswahl [Bearbeiten]

  • Peters-Weltatlas. Akademische Verlagsanstalt 1990. Vollst. überarb., aktual. Neuausgabe. Ullmann, Potsdam 2010. ISBN 978-3-8331-5559-8
  • Peters Synchronoptische Weltgeschichte, Zeitatlas mit Indexband. 1970, Ersterscheinen 1952, viele weitere Ausgaben bis 2000. ISBN 3-86150-370-0.
    • Digitale Ausgabe als: “Der Digitale Peters”. Aktualisiert von Andreas Kaiser. In einer elektronischen Ausgabe von Thomas Burch, Hans Rudolf Behrendt und Martin Weinmann. Büro W. GmbH. Zweitausendeins, Frankfurt 2000. Ausgabe 2012 für PC: XP, Vista, Win 7. Mac: Intel-Prozessor, ab OS 10.5. Mindestbildschirmauflösung: 1280×1024. 1 DVD-ROM. ISBN 978-3-86150-833-5
  • Arno Peters, Konrad Zuse: Was ist und wie verwirklicht sich Computer-Sozialismus : Gespräche mit Konrad Zuse. Verlag Neues Leben 2000. ISBN 3-35501-510-5

Literatur [Bearbeiten]

  • Fritz Fischer: Der letzte Polyhistor. Akademische Verlagsanstalt, Vaduz 1996, ISBN 3-905-01907-8.
  • David Kuchenbuch: Arno Peters, die Peterskarte und die Synchronoptische Weltgeschichte. Mediale Repräsentationen der „Einen Welt“. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 59 (2011) no. 10. S. 824-846.
  • Stefan Müller: Equal Representation of Time and Space: Arno Peters’ Universal History. In: History Compass, vol. 8 (2010) no. 7. S. 718-229 (http://dx.doi.org/10.1111/j.1478-0542.2010.00693.x).
  • Stefan Müller: Gerechte Weltkarte. Die Kontroverse um die Peters-Projektion in historiographischer Perspektive, in: Kurt Brunner, Thomas Horst (Hrsg.): 15. Kartographiehistorisches Colloquium. München, 2.-4. September 2010. Vorträge, Berichte, Poster, Bonn: Kirschbaum 2012. S. 189-208.

Weblinks [Bearbeiten]

Arno Peters

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Arno Peters (* 22. Mai 1916 in Berlin-Charlottenburg; † 2. Dezember 2002 in Bremen) war ein deutscher Historiker und Kartograph.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Peters studierte nach dem Abitur Geschichte, Kulturgeschichte und Zeitungswissenschaften in Berlin.

Er erstellte die Synchronoptische Weltgeschichte, die die europäische Geschichte gleichrangig neben die Geschichte der großen asiatischen und afrikanischen Kulturen sowie des vorkolumbischen Amerikas stellt.

Gleichfalls strebte Peters in seinen geografischen Arbeiten die Überwindung des nach seiner Ansicht europazentrischen Weltbildes an. 1973 legte er eine Kartenprojektion der Erde vor (Peters-Projektion), die die Basis des 1989 erschienenen Peters-Atlas darstellte. Die darin enthaltenen Karten stellen alle Länder und Regionen der Erde im gleichen Maßstab und flächentreu dar.

Weiterhin beschäftigte sich Peters mit dem Konzept der Äquivalenzökonomie als Wirtschaftssystem, welche er als Alternative zur herrschenden kapitalistischen Produktionsweise ansah. Der Handel über freie Preisbildung mittels des Marktmechanismus im Kapitalismus soll dem Äquivalenzprinzip entsprechend einem Austausch äquivalenter Werte weichen. Grundlage dieser Werte bildet die in den Produkten materialisierte Arbeitszeit (siehe dazu auch bei Relativlohn). Damit diese Produktionsweise den menschlichen Bedürfnissen entsprechend funktionieren kann, ist weiterhin eine globale Planung der Wirtschaft notwendig, welche inzwischen durch den Einsatz modernster Datenverarbeitungstechnologie realistisch durchführbar sei. Er schuf in diesem Zusammenhang das Modell der Peters-Rose.

Politisch bekannte sich Peters zur Linken und er wurde deshalb auch wiederholt angegriffen. 1994 wurde er mit dem Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon in Bremen ausgezeichnet. Er wurde mit dem Doktor- und dem Professorentitel ehrenhalber wegen seiner bedeutenden und kritischen wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.

Publikationsauswahl

  • Peters-Weltatlas. Akademische Verlagsanstalt 1990. Vollst. überarb., aktual. Neuausgabe. Ullmann, Potsdam 2010. ISBN 978-3-8331-5559-8
  • Peters Synchronoptische Weltgeschichte, Zeitatlas mit Indexband. 1970, Ersterscheinen 1952, viele weitere Ausgaben bis 2000. ISBN 3-86150-370-0.
    • Digitale Ausgabe als: “Der Digitale Peters”. Aktualisiert von Andreas Kaiser. In einer elektronischen Ausgabe von Thomas Burch, Hans Rudolf Behrendt und Martin Weinmann. Büro W. GmbH. Zweitausendeins, Frankfurt 2000. Ausgabe 2012 für PC: XP, Vista, Win 7. Mac: Intel-Prozessor, ab OS 10.5. Mindestbildschirmauflösung: 1280×1024. 1 DVD-ROM. ISBN 978-3-86150-833-5
  • Arno Peters, Konrad Zuse: Was ist und wie verwirklicht sich Computer-Sozialismus : Gespräche mit Konrad Zuse. Verlag Neues Leben 2000. ISBN 3-35501-510-5

Literatur

  • Fritz Fischer: Der letzte Polyhistor. Akademische Verlagsanstalt, Vaduz 1996, ISBN 3-905-01907-8.
  • David Kuchenbuch: Arno Peters, die Peterskarte und die Synchronoptische Weltgeschichte. Mediale Repräsentationen der „Einen Welt“. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 59 (2011) no. 10. S. 824-846.
  • Stefan Müller: Equal Representation of Time and Space: Arno Peters’ Universal History. In: History Compass, vol. 8 (2010) no. 7. S. 718-229 (http://dx.doi.org/10.1111/j.1478-0542.2010.00693.x).
  • Stefan Müller: Gerechte Weltkarte. Die Kontroverse um die Peters-Projektion in historiographischer Perspektive, in: Kurt Brunner, Thomas Horst (Hrsg.): 15. Kartographiehistorisches Colloquium. München, 2.-4. September 2010. Vorträge, Berichte, Poster, Bonn: Kirschbaum 2012. S. 189-208.

Weblinks

WELTGESCHICHTE

Aus sozialistischer Sicht

Am Mittwoch vergangener Woche nahm der Skandal um die “Synchronoptische Weltgeschichte” des Ehepaares Arno und Anneliese Peters eine neue Wendung: Das niedersächsische Kultusministerium verkündete, es werde den “Fall Peters” vor ein ordentliches Gericht bringen. Das Ministerium will 5000 Exemplare des neuen Geschichtswerkes wieder zurückgeben und den Universum-Verlag in Frankfurt am Main auf Rückerstattung von 50 000 Mark verklagen, die Niedersachsen für die Herausgabe des Buches aus Stiftungen zur Verfügung gestellt hatte.

Die “Synchronoptische Weltgeschichte”, um die sich in den zwei letzten Wochen der größte Geschichtsbuch-Skandal seit Kriegsende entwickelt hat, erschien auf den ersten Blick als ein hervorragendes Unterrichtswerk: Auf achtfarbigen Tabellen bot sie einen fließbandartigen Überblick über die gleichzeitig abgelaufenen Ereignisse der Menschheitsgeschichte, unterteilt in sechs Sparten – Wirtschaft, Geistesleben, Religion, Politik, Kriege, Revolutionen.

Das bunte Tafelwerk reicht von 1000 vor Christus (Das Heer des Königs David von Juda besiegt die Philister) bis 1952 nach Christus (Leninkanal zwischen Wolga und Don verbindet fünf Meere) und wurde auf der Frankfurter Buch-Messe als “Schlager” gefeiert.

Erst bei näherem Studium erwies sich, daß Rot die eigentliche Grundfarbe der bunten Tabellen ist. Typische Zitate:

* Judas Ischariot “versuchte vergeblich, Christus zur revolutionären Tat zu veranlassen”;

* Paulus “entkleidete die Lehren Christi ihres sozialrevolutionären Charakters”;

* Epiphanes “schuf die Lehre eines christlich-begründeten Kommunismus”;

* Friedrich II. von Hohenstaufen “übernahm die Folterung, Verstümmelung und Verbrennung der Kirchengegner”;

* Iwan der Schreckliche “führte den Buchdruck in Rußland ein”;

* Manko Kapak, König der Inkas, “baute seinen Staat nach kommunistischen Grundsätzen auf”;

* Spanischer Bürgerkrieg: “Faschisten unter Franco beseitigten mit Hilfe Deutschlands und Italiens die von Demokraten (vor allem Kommunisten) aus aller Welt unterstützte republikanische Ordnung.”

* Stalin ist “ein sowjetischer Staatsmann aus Gori”, der die erste sozialistische Verfassung schuf, die Rote Armee als Volksheer ausbaute und “als anerkannter Führer der Sache des Weltkommunismus den Lehren von Marx-Engels-Lenin ihre für die Gegenwart gültige Ausprägung gab.”

Kein Wort von sowjetischen Hungerrevolten, Schauprozessen oder Schweigelagern.

Mit roten Gesichtern standen da:

* führende Historiker, Soziologen und Publizisten der Bundesrepublik, die das Werk im voraus hymnisch gelobt hatten;

* die amerikanische Hohe Kommission und die Kultusorgane westdeutscher Länder und Städte, die das Geld zur Drucklegung gegeben hatten.

Der Skandal brodelte.

Am Donnerstag wollen die Kultusminister und -Senatoren von Niedersachsen, Hessen, Bremen, Hamburg und Berlin beraten, was nun mit der “Synchronoptischen Weltgeschichte” werden soll. Trotz der frühzeitigen niedersächsischen Entscheidung, das Werk zurückzugeben und auf Rückerstattung der Gelder zu klagen, hoffen Arno und Anneliese Peters unverdrossen, daß die Kultus-Konferenz das in 13 Jahren zusammengebastelte Geschichtswerk doch nicht auf den Index für die bundesdeutschen Schulen setzen wird.

Der Optimismus des Ehepaares Peters stützt sich unter anderem auf den beispielhaften Anschauungswandel, den der Dr. H. Heckel in puncto “Synchronoptische Weltgeschichte” durchgemacht hat. Dr. H. Heckel, Professor an der Frankfurter Hochschule für Internationale Pädagogische Forschung, war bis zum 1. Oktober Ministerialrat im niedersächsischen Kultusministerium.

In dieser Eigenschaft ließ er auf Weisung des SPD-Kultusministers Richard Voigt Ende September den ersten Warnruf an

die Besteller des welthistorischen Tafelwerkes ertönen, nachdem ein Dr. Alfons Nobel in den Dortmunder “Ruhr-Nachrichten” auf die rote Tönung der “Synchronoptischen Weltgeschichte” hingewiesen hatte.

Da Minister Voigts Unterschrift unter einer 5000-Stück-Festbestellung des niedersächsischen Kultusministeriums aus dem Jahre 1949 prangte, waren die Herren so aus dem Konzept gebracht, daß Heckel die Warnung ohne nähere Prüfung des Buches herausgehen ließ.

So jedenfalls erklärte der inzwischen auf der Frankfurter Hochschule tätige Dr. Heckel dem in Hessen verantwortlichen Erziehungsmann, Ministerialdirektor Willy Wieweg, die Angelegenheit in einem Schreiben vom 3. Oktober: “… In Hannover war plötzlich an Hand einer Kritik von katholischer Seite eine Panik-Situation entstanden. Niemand sah sich die Sache richtig an, ich selbst kam in den letzten Tagen auch nicht dazu…”

Erst als Synchronoptiker Dr. Peters von dem Warnruf Heckels hörte und den Professor in Frankfurt zur Rede stellte, bekannte der, das Buch nur flüchtig durchgeblättert zu haben. Und erst dann nahm er sich die Mühe, es zu studieren.

Das Ergebnis dieses Studiums schlug sich in einem Brief nieder, den Professor Heckel ebenfalls am 3. Oktober an die rechte Hand seines alten Kultusministers, an den Regierungsdirektor Karl Turn im Hannoverschen Kultusministerium, richtete.

In diesem Brief heißt es … “Gestern habe ich mir die ”Synchronoptische Weltgeschichte” einmal etwas gründlicher angesehen, und ich muß Ihnen gestehen, daß

ich bedauere, in den letzten Tagen in Hannover nicht dazu gekommen zu sein. Denn nach meinen Feststellungen fallen die Vorwürfe, die gegen das Buch erhoben werden, doch eigentlich in sich selbst zusammen. Gewiß, es bleiben einige ungeschickte und unglückliche Formulierungen, man kann über Auswahl und Darstellungsart sicherlich oft streiten. Aber die Behauptung, das Werk sei aus kommunistischem Geist geschrieben und vom Osten her beeinflußt, hält meiner Überzeugung einer gründlichen Durchsicht nicht stand.”

Weiter: “Das Werk ist sicherlich aus einer sozialistischen Sicht heraus gestaltet, aber dagegen sollte man doch in Hannover nichts einzuwenden haben. Es ist stark bemüht, die östliche Welt gleichberechtigt zum Ausdruck zu bringen…, daß dabei auch einmal ein kleiner Spritzer auf Amerika fällt, schadet doch wirklich nichts…”

Weiter: “Ich möchte also meine persönliche Auffassung jetzt nach eingehendem Studium des Werkes dahin zusammenfassen, daß man es unbedenklich den Schulen, Hochschulen und Büchereien ausliefert, vielleicht in Begleitschreiben jedoch zum Ausdruck bringt, daß das Buch nur für den reiferen und verständigeren Leser seiner ganzen Anlage und Bedeutung nach geeignet ist, daß es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit großen Umfanges und großer Bedeutung handelt, die natürlicherweise mit einigen Mängeln behaftet ist, daß eine solche Auswahl und Sicht der Dinge immer subjektiv bleibt, daß aber im ganzen gesehen sich der Kultusminister vorbehaltlos dahinterstellt und hier den empfangenden Stellen ein Arbeitsmittel ersten Ranges zur Verfügung stellt.”

Arno Peters klammert sich nun an die Hoffnung, daß sich die übrigen Erziehungsleute ebenfalls nur aus zweiter Hand informierten und bei ruhigem eigenem Studium sich der in fünf Nebensätzen verklausulierten 180-Grad-Wendung des Professors Heckel anschließen werden.

Was aber auch immer am Donnerstag entschieden wird: die Vertreter von Niedersachsen und Hessen, von Bremen, Hamburg und Berlin werden an einer klaren und weit über den “Fall Peters” hinausgehenden Stellungnahme nicht vorbeikommen. Sie werden die Frage beantworten müssen, ob eine aus “sozialistischer Sicht” gestaltete Weltgeschichte, die bis zum Jahre 1952 reicht, zwangsläufig das enthalten muß, was jetzt dem Doktor Peters als “kommunistische Tendenz” vorgeworfen wird.

Den Vorwurf der “intellektuellen Unredlichkeit” jedenfalls glaubt der Synchronoptiker” widerlegen zu können. Er ist sicher, den gerichtlichen Wahrheitsbeweis dafür führen zu können, daß er in seinen Verhandlungen mit den Kultusministerien stets zweierlei klar zu erkennen gegeben habe:

* er sei erklärter Sozialist;

* er wolle ein Geschichtswerk schaffen, das in West- und Ostdeutschland akzeptiert werden könne.

“Nur ein Idiot konnte da glauben, daß Stalin in einem solchen Werk als ”größter Verbrecher aller Zeiten” erscheinen werde”, argumentiert Peters heute. Damals schon habe er einem Gremium von hessischen Schulleuten und Historikern eine ähnliche Erklärung gegeben wie jetzt dem NZ-Herausgeber Hans Wallenberg:

“… Außerdem wollten wir mit unserem Werk die sich schon damals andeutende und inzwischen immer weiter aufreißende Kluft im geschichtlichen Denken Deutschlands schließen. Wir wollten ein Werk schaffen, das gleichermaßen im Osten wie im Westen Deutschlands benutzt werden kann, weil es einerseits die für jedes Weltbild erheblichen Tatsachen vermittelt

und andererseits durch Vermittlung auch jener Tatsachen, die im Gegensatz zum eigenen Weltbild stehen, zur Duldsamkeit erzieht. Die Kultusminister haben diesen Plan gekannt und begrüßt oder zumindest gebilligt. Auch die Erziehungsabteilung von HICOG wußte von dieser unserer Absicht …”

Diese Behauptungen müssen erst einmal widerlegt werden, bevor man das Doktoren-Ehepaar der “Erschleichung” von Subventionen zeihen kann, wie es das bayrische Kultusministerium tat.

Wenn man in dem Versuch zur Schaffung eines west-östlichen Geschichtsbuch-Diwans schon 1949 die Utopie eines Mannes gesehen hätte, der sich selber als “idealistischen Sozialisten” bezeichnet (“ich weiß, daß dies schon ein Paradoxon ist, da der Sozialismus aus dem Materialismus kommt”), wäre die jetzige Ablehnung gerechtfertigt. Aber damals wurden von keiner Seite Bedenken vorgebracht.

Im Gegenteil: der 36jährige Peters baute sich unter Vorlage eines handgeschriebenen Manuskripts (in dem allerdings die letzten 50 Jahre fehlten) eine Gutachten-Galerie zusammen, in der weder der Nestor der deutschen Geschichtsschreibung, Meinecke, noch der Heidelberger Soziologe Alfred Weber, noch der Freiburger Historiker Gerhard Ritter, noch der bei solchen Gelegenheiten unvermeidliche Thomas Mann fehlte, der dem Buch “von Herzen” wünschte, daß es “sein hohes völkerversöhnendes Ziel erreichen möge”.

Der Münchner Historiker Schnabel, der sich heute als erster von der “Synchronoptischen Weltgeschichte” distanzierte, borgte sich das Hand-Manuskript sogar über eine Nacht aus und brachte es am nächsten Morgen dem Peters in das Hotel zurück.

Peters: “Mir gegenüber hat er damals behauptet, er habe darin die halbe Nacht studiert. Trotzdem erhielt ich von ihm ein Gutachten, in dem es wörtlich heißt: … ”den wesentlichen Fortschritt darf man aber darin erblicken daß sowohl die einseitig politische als auch die einseitig nationale Geschichtsdarstellung in der ”Synchronoptischen Weltgeschichte” überwunden wurde”. Die Tendenz aber, die mir heute auch von Schnabel so übelgenommen wird, war in

dem 2900 Jahre umfassenden Manuskript genau dieselbe wie in dem jetzt vorliegenden Buch.”

Aber Hessens damaliger Kultusminister Dr. Erwin Stein (CDU) gab sich mit dem professoralen Gutachten-Katalog nicht zufrieden, als Peters ihn um eine Vorfinanzierung des in Heimarbeit entstandenen Werkes anging. Kultusminister Stein veranlaßte, daß die US-Militärregierung für Hessen das Manuskript acht Tage lang in ihre Testmühle nahm.

Der Bescheid der amerikanischen Education Branch, Office of Military Government, Hesse, vom 15. Juni 1949, schwelgte im Lob: “Die ”Synchronoptische Weltgeschichte” ist einzig in ihrer Art; sie ist das ausgezeichnete Ergebnis eines langwierigen Studiums und einer sorgfältigen Vorbereitung. Die neue Art der Darstellung führt zu unabhängigem Denken und einer objektiven Haltung gegenüber der Weltgeschichte im allgemeinen. Was die Genauigkeit der Daten, die Erleichterung des Verständnisses und die Ausgestaltung des Werkes betrifft, so ist das Buch von höchstem Wert… und kann für den Gebrauch in den Schulen eindringlich empfohlen werden.

“Einwände: Keine.

“Änderungsvorschläge: Keine.”

Minister Stein verschaffte sich aber auch deutsche Rückendeckung. Er ließ Peters vor einem eilig zusammentelegraphierten Gremium von hessischen Historikern und Schulleuten referieren. Das Manuskript wurde gründlich durchgehechelt. Am Ende der Diskussion stand der einstimmige Beschluß, die Regierung möge alles tun, um die Herausgabe der “Synchronoptischen Weltgeschichte” zu ermöglichen.

Auch vor dem Hauptschulausschuß des Landes mußte Peters Rede und Antwort stehen. Ein Ausschußmitglied stellte an ihn die ganz konkrete Frage: “Herr Peters, Sie sagen, Sie seien Sozialist. Zu welcher Form von Sozialismus bekennen Sie sich?” Darauf Peters: “Ich glaube, daß es nur einen Sozialismus gibt.”

Nachdem Peters und sein Manuskript von Deutschen und Amerikanern, von Lehrern und Historikern so gründlich durchgetestet und ausgehorcht waren, ging man an die Finanzierung. Vorher allerdings reiste Peters – mit Wissen des hessischen Kultusministeriums – nach Leipzig, um am dortigen Bibliographischen Institut Material locker zu machen und die Ostveröffentlichung vorzubereiten.

Die hessische Begeisterung gegenüber dem erklärten Sozialisten nahm zwar bald etwas ab, und die bevorschußte Bestellung des Landes wurde von 12 000 auf 25000 Stück gedrosselt. Aber sonst ging es herrlich voran. Minister Voigt bestellte für Niedersachsen beim Universum-Verlag*) 5000 Exemplare zum Preise von 12 DM das Stück und schoß auch die 60 000 DM vor.

Bremen zahlte 18 000 DM, Hamburg 14 600, Berlin 12 000, Hessen war mit 30 000 DM dabei. Es handelte sich also fast ausschließlich um Länder mit SPD-Regierungen, die

sich gar nicht darüber im unklaren sein konnten, daß ihnen Peters für ihre Schulen ein sozialistisches Werk liefern würde.

Die sozialistische Geisteshaltung, die Peters nie geleugnet hat und auch gar nicht leugnen kann, mußte seine Geschichtsdarstellung

* anti-dynastisch,

* anti-kapitalistisch und

* anti-klerikal

ausfallen lassen.

Trotzdem nennt Peters seine Weltgeschichte “apolitisch und unmarxistisch”. Letzteres bescheinigte ihm dann auch das Ost-Berliner “Amt für Literatur” in lakonischer Kürze, als es die ostzonale Veröffentlichung mit der zutreffenden Begründung “abweichend vom wissenschaftlichen Sozialismus” ablehnte.

Die “Synchronoptische Weltgeschichte” löckt nämlich in zwei entscheidenden Punkten wider den Stachel des Marxismus-Leninismus-Stalinismus:

* sie leugnet den Primat des Ökonomischen;

* sie entwickelt ihr Geschichtsbild aus Persönlichkeiten, wogegen die Menschheitsentwicklung nach allen marxistischen Dogmen gerade mit “außermenschlicher naturwissenschaftlicher Gesetzlichkeit abrollt”.

In seiner (nur bei einem deutschen Wissenschaftler begreiflichen) Naivität kann Peters bis heute nicht verstehen, warum nicht Ost und West brüderlich sein Tafelwerk verbreiten. Er sträubt sich immer noch, einzugestehen, daß er sich mit seinem Geschichts-Diwan genau zwischen alle Stühle gebettet hat.

In der sinnlosen Spekulation, das Buch hüben und drüben gesellschaftsfähig zu machen, sind dem Doktor Peters denn auch in der Darstellung der letzten 52 Jahre

Dinge unterlaufen, die jetzt von den Kultusministern mit Recht attackiert werden können, da sie ihnen ja im Gegensatz zu den 2900 vorhergehenden Jahren nicht zur Begutachtung vorlagen.

Und bei diesen 52 Jahren kann man ihm den Vorwurf einer in Liebedienerei ausartenden Überloyalität gegenüber dem Osten nicht ersparen. So, wenn er als eins der drei wesentlichen Kulturereignisse des Jahres 1936 Muchinas Plastik “Arbeiter und Kolchosbäuerin” zitiert – neben Picassos “Guernica” und Honeggers Oratorium “Johanna auf dem Scheiterhaufen”.

Als die amerikanische “Neue Zeitung” nach dem großen Erwachen eine voreilige Lobeshymne ihres Feuilleton-Chefs Bruno E. Werner*) auf die “Synchronoptische Weltgeschichte” in einer Art Selbstkritik widerrief, hätte sie sich besser den Schlußsatz verkniffen. Der lautete: “Aufklärung verlangt die Frage, wie es zu der ersten Auflage von 50 000 Exemplaren gekommen ist, und wer zu ihrer Finanzierung beigetragen hat.”

Die Antwort darauf wollte Dr. Peters den Lesern der NZ in einer schriftlichen Erwiderung geben, aber Chefredakteur Hans Wallenberg ließ den von ihm Angegriffenen nicht zu Worte kommen. Sonst hätten die NZ-Leser folgendes gelesen:

“Die Finanzierung der Herausgabe unseres Werkes wurde allein aus Mitteln bestritten, die uns als Vorauszahlungen für bestellte Exemplare der ”Synchronoptischen Weltgeschichte” von öffentlicher Seite zugeflossen sind. Wir haben von 1949 bis heute von den nachfolgend genannten Stellen eine Gesamtsumme von 183 660 DM in bar sowie Papier und Bindematerial im Werte von 146 967 DM erhalten:

* Kultursenat der Stadt Bremen;

* Kultursenat der Stadt Hamburg;

* Kultusministerium des Landes Niedersachsen;

* Kultusministerium des Landes Hessen;

* Erziehungsabteilung der HICOG;

* Kultursenat der Stadt Berlin;

* Hauptschulamt der Stadt Frankfurt.

Obige Stellen haben durch diese Anzahlung das Anrecht auf Lieferung von 25 820 Exemplaren der ”Synchronoptischen Weltgeschichte” erworben und so zugleich die Herausgabe des Werkes ermöglicht.”

Peters hatte dabei noch verschwiegen, daß die amerikanische Hohe Kommission mit 55 000 DM in bar, einer großen Papierlieferung und der Festbestellung von 14 000 Exemplaren (gegenüber 11 820 von deutschen Stellen) den Bärenanteil übernommen hatte.

Bei seinen Bemühungen um die Drucklegung der Weltgeschichte nämlich hatte der Doktor Arno Peters erfahren, daß die Amerikaner größere Papiermengen für gemeinnützige pädagogische Publikationen verteilten. Am Verteilerkopf saß Mr. John

Riedel, Chef der HICOG-Erziehungsabteilung. Die Unterredung, rekapituliert Peters, sei überraschend erfolgreich verlaufen. Riedel habe sein Muster-Exemplar und die amerikanischen Zeugnisse aus Wiesbaden betrachtet und ihn dann gefragt: “Wieviel wollen Sie denn zunächst drucken?”

Peters: “Zwanzigtausend.”

Riedel: “Warum drucken Sie nicht das Doppelte?”

Die Verhandlungen endeten damit, daß John Riedel 55 000 DM in bar und Papier- und Bindematerial im Werte von etwa 147 000 DM als Anzahlung auf eine Lieferung von 14 000 Exemplaren der “Synchronoptischen Weltgeschichte” à 12 DM herausrückte.

Daß ihre Blamage nicht noch größer wurde, verdanken die Amerikaner einzig und allein dem deutschen Nationalempfinden und den Ost-Rücksichten des Dr. Peters. Wenn es nach dem Willen der US-Erziehungsabteilung gegangen wäre, würden die von den Amerikanern bestellten Bände jetzt sogar einen Eindruck mit zwei US-Flaggen-Emblemen und der Widmung “Presented by the people oft the United States” aufweisen.

So aber blieb es bei einem eingeklebten Begrüßungsschreiben, unterzeichnet von George A. Selke, Chief, Division of Cultural Affairs, Bad Godesberg, Mehlemer Aue. Datum: August 1952. Nach diesem Schreiben erfolgt die Überreichung des Bandes “in der Absicht, deutschen Bildungsinstituten wertvolle Literatur zugänglich zu machen und die Verständigung der Nationen untereinander zu fördern”.

*) Der Universum-Verlag, der als Familien G. m. b. H. mit der Einzelprokura von Frau Anneliese und dem Ziel “der Herstellung und des Vertriebes der ”Synchronoptischen Weltgeschichte” auf gemeinnütziger Grundlage” am 30. Juni 1952 in das Handelsregister des Frankfurter Amtsgerichtes eingetragen wurde, weist nur ein Stammkapital von 20 000 DM auf.*) Bruno E. Werner wurde inzwischen zum Kultur-Attaché beim deutschen Geschäftsträger in Washington ernannt. – Aber nicht nur die “Neue Zeitung” lobte die “Synchronoptische Weltgeschichte”, auch 42 andere Blätter brachten positive Besprechungen des Geschichtswerkes, offenbar ohne es gründlich gelesen zu haben. So Erik Reger im “Tagesspiegel” am 27. September 1952: “Das Werk empfiehlt sich als eine der brauchbarsten Waffen im Kampfe gegen die Unwissenheit.”

DER SPIEGEL 47/1952
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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21978081.html

Karl Marx: Das Kapital, Kurzfassung aller drei Baende, 2. verb. Aufl. Kommentiert und zusammengefasst von Wal Buchenberg. VWF-Verlag Berlin. ISBN 3-89700-430-5. 485 Seiten. 25 Euro.

http://archive.org/details/Marx-Kapital

Wir erinnern: Am heutigen 5.Mai 1818, wurde Karl Mark geboren, Karl Marx war Philosoph, Nationalökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Förderer und Organisator der Arbeiterbewegung und der demokratischen Bewegung, Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und demokratischer und sozialer Revolutionär. Ihm ging es um die wissenschaftliche Erforschung der Gesellschaft und der sie dominierenden Wirtschaft, um Wege zu finden, wie die Menschen alle unmenschlichen Lebensbedingungen überwinden können und die Möglichkeiten, die sie haben, für alle nutzbar zu machen. Es ging ihm um die Befreiung der Menschen, die er so verstand, dass jeder möglichst viel freie Zeit zu seiner vollen persönlichen Entwicklung in seinem Sinn hat. Dies könnten die Menschen am besten dadurch erreichen, dass sie ihre Produktion gemeinsam organisieren, um alle Möglichkeiten der Wissenschaft und des Einsatzes von Maschinen nutzen zu können. Der Kapitalismus bereite eine solche Lebensweise vor durch die Entwicklung der Kräfte der Produktivität, aber in diesem System führt diese Entwicklung zur massenweisen “Freisetzung von Arbeit” nicht für freie Zeit der Menschen, sondern in die Arbeitslosigkeit, die die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verschärft und dadurch zu wachsender Armut und Perspektivlosigkeit von immer mehr Menschen führt. Die Profiteure des Systems, wollen es aber nicht ändern, um ihre Privilegien mit allen Mitteln zu sichern und organisieren die politische Macht zu diesem Zweck: Die Konkurrenz wird immer schärfer auf dem Arbeitsmarkt, zwischen Unternehmen und Ländern: Immer mehr Chaos, Krieg und Verelendung und die Übernutzung (und Zerstörung) der Umwelt sind die Folge! Die Frage ist ob die große Mehrheit der Menschen, die die großen Möglichkeiten der Produktion für sich und ihre Freiheit nutzen könnten, politisch so stark werden können, den Staat direkt demokratisch gleichberechtigt für all zu organisieren und die Wirtschaft nicht mehr kapitalistisch zu organisieren, sondern die Produktion selbst gemeinschaftlich zu organisieren für ihre gemeinsamen Interessen. Und das weltweit, denn Karl Marx sah im nationalen Denken nur etwas Rückständiges, er trat für weltweite Solidarität und Gleichberechtigung ein; für ihn kann die selbstbefreiung in der globalisierten Welt nur durch eine gemeinsame gobale Bewegung erreicht werden! Auch hier habe die kapitalistisch organisierte Arbeit die Voraussetzungen geschaffen, denn getrieben von den kapitalitischen Wettbewerbszwängen habe die herrschende Bourgeoisie auf der Jagd nach immer mehr Profit die Welt zu einem Markt vereint und so weit voneinander entfernte Völker in einen Zusammenhang gebracht.  Das waren die Ideen von Karl Marx, was Bewegungen dann aus ihm gemacht haben und was insbesondere nichts mehr mit seiner Idee der demokratischen Befreiung zu tun hatte, kann man nicht Karl Marx anlasten! Für ihn war nicht “die Partei” oder der “Staat”, sondern die selbstständig denkenden und handelnden Individuen und ihrer freier, demokratischer Zusammenschluss die Kraft, die Zukunft schafft. Er lehnte es auch ab, Marxist zu sein, er sah in seinen Arbeiten nur eins von den theoretischen Werkzeugen, die die Menschen brauchen, um im Sinne der Aufklärung, sich aus der Unmündigkeit zu befreien und ihre Lage erkennen und verändern zu können. Welche Strategie schlug er der Emanzipationsbewegung vor? Der Zusammenschluss der Arbeiter für die Durchsetzung menschenwürdiger Lebens- und Arbeitsbedingungen ist die Basis dafür, dass sich eine emanzipative Kraft durch Zusammenschluss entwickeln kann; zuerst im Betrieb in der Branche, dann auch im ganzen Land und weltweit zur Durchsetzung von Gesetzen, die den Kräften des Marktes Grenzen setzen, um Mensch und Natur zu schützen. Die Kräfte der Gesellschaft, die für gutes Leben eintreten als Prinzip und nicht die Unterordnung aller unter das Streben nach Maximalprofit, müssen dann versuchen, die Mehrheit in den politischen Gremien des Staates zu erhalten (und die direkt demokratisch zu organisieren) und Gesetze machen, die auch die Umwandlung der Produktion selbst fördern, von einer von den Kapitaleignern organisierten Produktion in eine in Kooperation (Teamwork) von den Arbeitenden organisierte Produktion. So produzieren die Arbeiter nicht mehr das Kapital – wie heute – sondern die Ziele, die sie selbst setzen. Der Staat soll dazu mit seinen Mitteln die Unternehmen stützen und fördern, die bereits alternativ, in Selbstverwaltung arbeiten. Er sah auch, dass dazu die Spaltung der Arbeitenden überwunden werden muss, vor allem durch Nationalismus. Das fortwährende Ringen gegen Fremdenfeindlichkeit und um eine faire Außenpolitik war für ihn Grundbedingung für einen Erfolg; er forderte die Kräfte, die die Emanzipation wollen, die internationalen Beziehungen zu studieren und auch in die Geheimdiplomatie einzudringen, um einer Politik des eigenen Staates zu Lasten anderer Staaten entgegenzutreten, sie öffentlich anzuprangern und für eine Außenpolitik einzutreten, die  Gleichberechtigung verwirklicht.

Nochmal also herzlichen Glückwunsch, Karl Marx, der in seinem Leben in Deutschland von den Herrschenden Berufsverbot bekam, politisch verfolgt wurde und als Asylsuchender Schutz in einem anderen Land bekam und so seine Aktivitäten als Organisator der internationalen Arbeiterbewegung und als Analytiker fortsetzen konnten: Eine Veränderung kann nur durch wissende Menschen kommen, die komplexe Zusammenhänge verstehen und deshalb der Theorie bedürfen. Sie entfaltet ihre Kraft, wenn sie von vielen Menschen getragen und in die Tat umgesetzt wird.

Wolfgang Lieberknecht, für den Aufbau eines Netzwerkes für Emanzipation

Zur Einführung

und natürlich für das intensive Studium

Friedrich Engels

Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft

Geschrieben von Januar bis Mitte März 1880.
Erschien zuerst in französischer Sprache in der Zeitschrift “La Revue socialiste” Nr. 3, 4 und 5 vom 20. März, 20 April und 5. Mai 1880 und im gleichen Jahr als Broschüre unter dem Titel “Socialisme utopique et socialisme scientifique”.
Die erste Ausgabe in deutsche Sprache erschien 1882 in Hottingen-Zürich.
Nach der vierten, vervollständigten Ausgabe, Berlin 1891.


Karl Marx – Vorbemerkung zur französischen Ausgabe
Friedrich Engels – Vorwort zur ersten Auflage [in deutscher Sprache (1882)]
Friedrich Engels – Vorwort zur vierten Auflage [in deutscher Sprache (1891)]
Friedrich Engels – Einleitung zur englischen Ausgabe (1892)

I
II
III

http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_177.htm

alle:

http://www.mlwerke.de/me/default.htm

Karl Marx/Friedrich Engels

Manifest der Kommunistischen Partei

Geschrieben im Dezember 1847/Januar 1848.
Gedruckt und als Einzelbroschüre im Februar/März 1848 in London erschienen. Der vorliegenden Ausgabe liegt der Text der letzten von Friedrich Engels besorgten deutschen Ausgabe von 1890 zugrunde.

Inhalt:

Vorwort (deutsche Ausgabe 1872)
Vorrede (englische Ausgabe 1888)
Vorwort (deutsche Ausgabe 1890)
Vorwort (polnische Ausgabe 1892)
Vorwort (italienische Ausgabe 1893)

  1. Bourgeois und Proletarier
  2. Proletarier und Kommunisten
  3. Sozialistische und kommunistische Literatur
    1. Der reaktionäre Sozialismus
      1. Der feudale Sozialismus
      2. Kleinbürgerlicher Sozialismus
      3. Der deutsche oder “wahre” Sozialismus
    2. Der konservative oder Bourgeoissozialismus
    3. Der kritisch-utopistische Sozialismus und Kommunismus
  4. Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien

http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm

Thesen über Feuerbach

Dies ist die 1888 von Engels als Anhang zu “Ludwig Feuerbach und der Ausgang der deutschen Philosophie” publizierte Fassung
Hier findet sich der Text, wie er 1845 von Marx niedergeschrieben wurde


1

Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus – den Feuerbachschen mit eingerechnet – ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als menschliche sinnliche Tätigkeit, Praxis, nicht subjektiv. Daher geschah es, daß die tätige Seite, im Gegensatz zum Materialismus, vom Idealismus entwickelt wurde – aber nur abstrakt, da der Idealismus natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt. Feuerbach will sinnliche, von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte; aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im “Wesen des Christenthums” nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der “revolutionären”, der praktisch-kritischen Tätigkeit.

2

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, d. h. die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist eine rein scholastische Frage.

3

Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist. (Z. B. bei Robert Owen.)

Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

4

Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse, vorgestellte und eine wirkliche Welt. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Er übersieht, daß nach Vollbringung dieser Arbeit die Hauptsache noch zu tun bleibt. Die Tatsache nämlich, daß die weltliche Grundlage sich von sich selbst abhebt und sich, ein selbständiges Reich, in den Wolken fixiert, ist eben nur aus der Selbstzerrissenheit und dem Sich-selbst-widersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären. Diese selbst muß also erstens in ihrem Widerspruch verstanden und sodann durch Beseitigung des Widerspruchs praktisch revolutioniert werden. Also z. B., nachdem die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch kritisiert und praktisch umgewälzt werden.

5

Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, appelliert an die sinnliche Anschauung; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.

6

Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht eingeht, ist daher gezwungen:

1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das religiöse Gemüt für sich zu fixieren und ein abstrakt – isoliert – menschliches Individuum vorauszusetzen;

2. kann bei ihm daher das menschliche Wesen nur als “Gattung”, als innere, stumme, die vielen Individuen bloß natürlich verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.

7

Feuerbach sieht daher nicht, daß das “religiöse Gemüt” selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.

8

Das gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus verleiten, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im Begreifen dieser Praxis.

9

Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus es bringt, d. h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen in der “bürgerlichen Gesellschaft”.

10

Der Standpunkt des alten Materialismus ist die “bürgerliche” Gesellschaft; der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft, oder die vergesellschaftete Menschheit.

11

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.

http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_533.htm

Karl Marx/Friedrich Engels

Dokumente der Internationalen Arbeiterassoziation 1865


März 1865


Karl Marx Ursprünglicher Resolutionsentwurf über den Konflikt in der Pariser Sektion
Karl Marx Resolutionen des Zentralrats über den Konflikt in der Pariser Sektion

Mai 1865


Karl Marx Adresse der Internationalen Arbeiterassoziation an Präsident Johnson
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1867


Karl Marx Das Kapital. Band I In gepackter Form runterladen
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1868


Friedrich Engels Konspekt über »Das Kapital« von Karl Marx
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