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Emanzipation der Frauen

Abschied von der alten Rollenverteilung

Mehr US-Mütter werden Hauptverdiener

Abschied von der alten Rollenverteilung

In den USA hat sich in den vergangenen 50 Jahren ein deutlicher Wandel in der Familienstruktur vollzogen: In vier von zehn Haushalten sind berufstätige Mütter die Hauptverdiener, 1960 waren es nur elf Prozent – viele sehen dies aber mit Sorge.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Die Situation der 32-jährigen Ginny ist typisch für viele junge Familien in Amerika. Als Wissenschaftlerin mit Uni-Abschluss hat sie einen besser bezahlten Job als ihr Mann. Also blieb der Vater daheim, um sich um die beiden Kinder zu kümmern: “Es war eine rein wirtschaftliche Entscheidung”, sagt Ginny und fügt hinzu: “Ich habe einfach mehr Geld verdient als er.”

Einkauf in US-Supermarkt

galerieEine Mutter mit ihren Kindern beim Einkaufen: In vielen Familien kümmert sich mittlerweile der Vater um den Haushalt.

Die traditionelle amerikanische Familie der 1960er-Jahre ist nach der Studie des Forschungsinstituts Pew Research heute die Ausnahme. In den meisten Haushalten müssen beide Partner arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen.

Dass bereits in 40 Prozent der US-Haushalte berufstätige Mütter die Hauptverdiener sind, sei eine direkte Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise, sagt Paul Taylor, stellvertretender Direktor des Pew-Instituts: “Die Veränderungen in der Wirtschaft waren härter für die Männer. Die Industrien, die Männern einen guten Mittelklasse-Job boten, sind geschrumpft.”

 

Frauen-Power – immer mehr US-Mütter als Hauptverdiener
M. Ganslmeier, ARD Washington
31.05.2013 04:31 Uhr

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Wirtschaftskrise vernichtet Männerjobs

Durch die Wirtschaftskrise gingen vor allem klassische Männerberufe in der Industrie und im Finanzsektor verloren. Hinzu kommt ein weiterer Trend, der für die Frauen spricht: ihre bessere Ausbildung. In den USA erlangten heute mehr Frauen als Männer einen Uni-Abschluss, sagt Kim Parker, die Autorin der Studie: “Sie sind besser ausgebildet und somit in einer besseren Ausgangslage, hochbezahlte Jobs anzunehmen und den wesentlichen Teil des Familieneinkommens beizusteuern.”

Die Situation für Frauen in Amerika wurde dadurch jedoch keineswegs einfacher. Die Arbeitswelt in den USA sei noch zu wenig auf berufstätige Mütter zugeschnitten, beklagt die Studie. Mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten seien dringend nötig. Am schwierigsten haben es alleinerziehende Mütter, die laut Studie häufig eine schlechtere Ausbildung hatten und deutlich weniger verdienen.

Ford-Montage in Illinois

galerieTraditionelle Männerjobs fallen weg: Arbeiter in einem Ford-Werk

 

Sorge um Kindererziehung

Dass die erheblichen Veränderungen in US-Familien unumkehrbar sind, davon sind 80 Prozent der befragten Amerikaner überzeugt. Nur jeder Fünfte sieht die Entwicklungen jedoch als gut für die Gesellschaft. Drei von vier sagen, dass dadurch die Erziehung von Kindern erschwert wird. Und die Mehrheit befürchtet, dass unter den Anforderungen der heutigen Berufswelt vor allem die Kinder leiden.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/frauen-usa100.html