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Emanzipation durch Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Guantanamo: “Hoffnungslosigkeit führt zum Hungerstreik”

Interview | Michaela Kampl, 6. Juni 2013, 10:08
  • Demonstration gegen das US-Gefangenenlager Guantanamo vor dem Weißen Haus in Washington.vergrößern 959×600
    foto: reuters/joshua roberts

    Demonstration gegen das US-Gefangenenlager Guantanamo vor dem Weißen Haus in Washington.

  • Djamel Ameziane als junger Mann auf einer undatierten Aufnahme. Der heute 46-jährige Algerier ist seit 2002 in Guantanamo inhaftiert.
    foto: privat

    Djamel Ameziane als junger Mann auf einer undatierten Aufnahme. Der heute 46-jährige Algerier ist seit 2002 in Guantanamo inhaftiert.

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    quelle: j. wells dixon
  • Datei-IconZwei Briefe vom Djamel Ameziane an seinen Anwalt J. Wells Dixon.
  • In Haft hat Ameziane begonnen zu malen. Seit er im Hungerstreik ist, wurden ihm seine Malutensilien abgenommen.
    foto: j. wells dixon

    In Haft hat Ameziane begonnen zu malen. Seit er im Hungerstreik ist, wurden ihm seine Malutensilien abgenommen.

Ein Algerier kann Guantanamo nicht verlassen, obwohl nichts mehr gegen ihn vorliegt – Warum das so ist, erklärt sein Anwalt J. Wells Dixon

Seit mehr als zehn Jahren ist der 46-jährige Algerier Djamel Ameziane im US-Gefangenenlager Guantanamo inhaftiert. Er ist einer der mehr als hundert Häftlinge, die sich derzeit im Hungerstreik befinden. Alle Anschuldigungen gegen ihn wurden mittlerweile fallengelassen. Für die USA gibt es demnach keinen Grund mehr, ihn festzuhalten, trotzdem kann er das Gefangenenlager auf der US-Basis auf Kuba nicht verlassen. Denn aus Angst vor politischer Verfolgung in Algerien will Ameziane nicht in sein Heimatland zurückkehren, das er Anfang der 1990er Jahre verlassen hat.

Sein Weg führte ihn über Österreich, wo er zuletzt als Koch in einem italienischen Restaurant im ersten Wiener Gemeindebezirk arbeitete, nach Kanada. Als dort sein Asylgesuch abgelehnt wurde, reiste er nach Afghanistan. Dann krachten am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Center in New York. Kurz danach begann die US-Invasion in Afghanistan. Erneut war Ameziane auf der Flucht. An der Grenze zu Pakistan wurde er gestoppt und den US-Truppen übergeben. 2002 wurde er nach Guantanamo überstellt.

Im Gespräch mit derStandard.at spricht sein Anwalt J. Wells Dixon über Djamel Amezianes Kampf um seine Freiheit.

derStandard.at: Wie lauteten die Anschuldigungen gegen Djamel Ameziane bei seiner Inhaftierung 2001?

Dixon: Nach der Ablehnung seines Asylantrages in Kanada reiste er nach Afghanistan. Zu Beginn der US-Invasion in Afghanistan nach 9/11 versuchten Zehntausende, das Land zu verlassen, um Krieg und Verfolgung zu entkommen – unter ihnen war auch Ameziane. Er wurde an der pakistanisch-afghanischen Grenze aufgegriffen und an die US-Truppen ausgeliefert. Der einzige Vorwurf gegen ihn war damals, dass er mit gefälschten Reisedokumenten nach Afghanistan eingereist war und zwei Wochen in einem Gästehaus geblieben war, das unter dem diffusen Verdacht stand, auch Al-Kaida Unterschlupf zu bieten. Kurz nach seiner Festnahme wurde er nach Guantanamo gebracht. Von den Vorwürfen ist nichts übrig geblieben. Sowohl die Regierung unter Bush als auch die Regierung unter Obama hat bestätigt, dass es für seine Inhaftierung keinen Grund mehr gibt. Um auf seine ausweglose Lage aufmerksam zu machen, ist er so wie viele andere seit Februar im Hungerstreik.

derStandard.at: Wie geht es Ameziane derzeit gesundheitlich?

Dixon: Nicht gut. In einem Brief vom 19. Mai hat er mir geschrieben, dass er mittlerweile rund 30 Kilo verloren hat. Er erzählt auch von einem Selbstmordversuch eines anderen Häftlings. Aufgrund seines Gewichtsverlusts und des sich deswegen verschlechternden allgemeinen Gesundheitszustands hat er mittlerweile begonnen, ein wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Er ist zwar weiterhin im Hungerstreik, versucht aber, sich auf diesem niedrigen Niveau zu stabilisieren. Derzeit wird ihm auch mit Zwangsernährung gedroht.

derStandard.at: Hat sich seit der Amtsübernahme von US-Präsident Obama die Situation in Guantanamo verändert?

Dixon: Kurz nach Obamas Amtsantritt haben sich die Haftbedingungen in Guantanamo verbessert. Obama hat die Isolationshaft für die meisten Gefangenen beendet und damit mehr Kontakt zwischen den Inhaftierten ermöglicht. Der Zugang zu Anwälten und Familien wurde ebenfalls erleichtert. Es war einfach eine ein wenig humanere Umgebung – so human es eben innerhalb Guantanamos möglich ist.

Obama war zu Beginn seiner Amtszeit sehr ambitioniert: Er versprach, das Gefängnis innerhalb eines Jahres zu schließen. Er hat 75 Personen aus Guantanamo transferiert. Allerdings hat er zwischen 2009 und 2010 an Entschlusskraft verloren. Diese Entwicklung hat die Inhaftierten in Guantanamo sehr frustriert. Diese erneute Hoffnungslosigkeit hat schlussendlich zum Hungerstreik geführt.

derStandard.at: Hat es einen speziellen Auslöser für den Beginn des Hungerstreiks gegeben?

Dixon: Im Februar gab es Durchsuchungen bei den Häftlingen. Der Grund dafür war ein Wechsel der Wachmannschaft. Während dieser Durchsuchungen wurden nicht nur persönliche Habseligkeiten der Inhaftierten konfisziert, sondern auch ihre Ausgaben des Korans misshandelt. Diese Vorgehensweise hat den Hungerstreik ausgelöst, an dem sich auch Ameziane seit Beginn beteiligt.

derStandard.at: Haben die Inhaftierten Kontakt zueinander?

Dixon: Die oft gezeigten Bilder von Guantanamo mit den Häftlingen in den offenen Käfigen stammen aus den Anfangszeiten des Gefängnisses. Im Laufe der Zeit haben sich die Haftbedingungen graduell verbessert. Als ich 2006 die Vertretung von Ameziane übernahm, waren die Gefangenen einzeln in Hochsicherheitszellen untergebracht. Es gab eine Gemeinschaftszone, die allerdings nicht genutzt wurde. Als Obama Präsident wurde, war eine seiner Hafterleichterungen, dass er den Häftlingen erlaubte, sich in diesen Zonen zu treffen. Mit Beginn des Hungerstreiks sind diese Verbesserungen allerdings wieder rückgängig gemacht worden. Aufgrund des Hungerstreiks sind die Gefangenen derzeit in Isolationshaft.

derStandard.at: Was bedeutet Isolationshaft konkret?

Dixon: Djamel Ameziane lebt 22 Stunden am Tag in einem rund zehn Quadratmeter großen Raum. Keine Bücher, kein Papier, nichts. Wenn er mir einen Brief schreiben will, muss er zuerst um Papier und Stift bitten.

Die beiden übrigen Stunden sollten zur sogenannten Erholung genutzt werden. Erholung heißt in diesem Zusammenhang, in einem kleinen Hof gemeinsam mit einem zweiten Häftling auf und ab zu gehen. Zwischen den beiden Häftlingen patrouilliert eine Wache. Außerdem sind die Zeiten für diese kurzen Aufenthalte an der frischen Luft nicht jeden Tag gleich. Es kann passieren, dass die Wachen um 3 Uhr nachts in die Zelle kommen und diese Art von Erholung anbieten. Dieses Angebot hat Ameziane verständlicherweise auch schon ausgeschlagen.

derStandard.at: Sollte es in Guantanamo zu einem Todesfall aufgrund des Hungerstreiks kommen, welche Auswirkungen erwarten Sie sich auf die Debatte über das Gefangenenlager?

Dixon: Die Verzweiflung der Männer in Guantanamo ist gestiegen, nachdem sie gesehen haben, dass auch Obama kaum etwas an ihrer Situation verbessert hat. Das trifft auch auf Ameziane zu. Er weiß einfach nicht, was er sonst noch machen soll, um aus dem Gefängnis zu kommen. Dieser Streik hat die öffentlichen Aufmerksamkeit wieder auf Guantanamo gelenkt und Obama dazu gebracht, die Schließung des Gefängnisses bei einer Rede Mitte Mai erneut zu befürworten. Ich denke, die Angst vor einem Todesfall in Guantanamo hat diese Aussagen befördert.

derStandard.at: Was steht der Freilassung Amezianes noch im Weg?

Dixon: Ameziane wurde schon zweimal von allen Vorwürfen gegen ihn freigesprochen – sowohl von der US-Regierung unter Bush als auch von der Obama-Regierung. Das Militär hat also zweimal bestätigt, dass es keinen Grund mehr gibt, ihn festzuhalten. Von den insgesamt 166 in Guantanamo Inhaftierten könnten 86 in ein anderes Land transferiert werden. Obama hätte die Kompetenz, das zu veranlassen. Bisher fehlt ihm allerdings der politische Wille zur Umsetzung. Von den 86 Häftlingen können lediglich ungefähr zwölf nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Darunter auch Djamel Ameziane, der sich vor politischer Verfolgung in seinem Heimatland Algerien fürchtet. Amezianes derzeit einzige Chance, von Guantanamo wegzukommen, ist die Aufnahme durch einen anderen Staat.

derStandard.at: Gibt es aktuell Bemühungen, Österreich zu einer Aufnahme Amezianes zu bewegen?

Dixon: Wir wären natürlich erfreut, wenn sich Österreich dazu bereiterklären würde – auch weil er schon einige Jahre in diesem Land verbracht hat. Derzeit gibt es allerdings keine formelle Anfrage dazu. (Michaela Kampl, derStandard.at, 6.6.2013)


J. Wells Dixon ist als Anwalt beim Center for Constitutional Rights mit Sitz in New York. Seit 2006 vertritt er den Guantanamo-Häftling Djamel Ameziane.

https://i1.wp.com/www.wgvdl.com/wp-content/uploads/tote-soldaten.jpg

Erstmals deutscher Elitesoldat in Afghanistan getötet

5. Mai 2013, 16:33

Erster gefallener Bundeswehr-Soldat seit fast zwei Jahren – Soldat starb durch Beschuss in der Unruhe-Provinz Baghlan

Berlin/Kabul – Erstmals seit fast zwei Jahren ist wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet worden. Die Bundeswehr teilte am Sonntag mit, ein weiterer deutscher Soldat sei beim Beschuss durch Aufständische am Samstag in Nordafghanistan verwundet worden. Beide gehörten der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) an. “Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist”, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Er zeigte sich erschüttert. “Ich bin unendlich traurig.”

Außer dem Deutschen wurden am Samstag sieben US-Soldaten in Afghanistan getötet. Für die Internationale Schutztruppe ISAF war es der verlustreichste Tag seit Jahresbeginn. De Maizière sagte dazu: “Das war ein bitterer, ein blutiger Tag in Afghanistan. Wir werden ihn nicht vergessen.”

Die Bundeswehr teilte mit, die KSK-Soldaten hätten eine afghanische Operation unterstützt. Die Sicherheitskräfte seien bei einer Operation in der Provinz Baghlan unter Beschuss geraten und hätten Luftunterstützung angefordert. Bei der späteren Erkundung der Schäden durch das Bombardement seien die deutschen Soldaten und afghanische Polizisten erneut beschossen worden. “Dabei wurden ein deutscher Soldat getötet und ein deutscher Soldat verwundet.” Der Verwundete ist nach Angaben de Maizières außer Lebensgefahr.

53 tote Deutsche

Der Afghanistan-Einsatz kostete bisher 53 deutsche Soldaten das Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Über die Aktivitäten des KSK in Afghanistan ist nur wenig bekannt. Die Operationen der Kommandosoldaten werden geheim gehalten.

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es in der Nacht auf Sonntag. Aufständische beschossen zwei Bundeswehr-Hubschrauber in Afghanistan, niemand sei verletzt worden, teilte die Bundeswehr mit. Die Helikopter des Typs CH-53 seien nicht beschädigt worden. Aufständische hätten die Hubschrauber, die von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Hauptstadt Kabul unterwegs waren, mit Flugabwehr- und Handfeuerwaffen angegriffen.

De Maizière sagte zum Tod des Soldaten: “Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht.” Der Angriff werde an der Strategie der Bundeswehr in Afghanistan aber nichts ändern. “Der Weg bleibt richtig”, sagte der Minister. Das gelte auch für die geplante Truppenpräsenz nach dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes 2014. “Wir lassen das afghanische Volk nicht im Stich.”

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sprach von einem “schweren Rückschlag für unseren Einsatz”. Trotzdem bleibe es beim vorgesehenen Zeitplan, die deutschen Kampftruppen bis Ende 2014 abzuziehen und den afghanischen Sicherheitskräften die Verantwortung zu überlassen. “Wir werden dem Terror und den Terroristen nicht nachgeben.” Die Gewalt in Afghanistan hat wieder zugenommen. Am Sonntag vergangener Woche riefen die Taliban den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive aus.

Bei einem Sprengstoffanschlag in der südafghanischen Provinz Kandahar wurden am Samstag fünf US-Soldaten getötet. Ebenfalls am Samstag erschoss ein afghanischer Soldat in der westafghanischen Provinz Farah zwei seiner amerikanischen Ausbilder. Auch der Attentäter wurde getötet. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe Streit zwischen den Soldaten gegeben. Die Taliban teilten dagegen mit, der Attentäter sei einer ihrer Schläfer gewesen.(APA, 5.5.2013)

http://derstandard.at/1363710058702/Erstmals-seit-2011-wieder-deutscher-Soldat-in-Afghanistan-gefallen

Afghanischer Soldat erschoss zwei ISAF-Soldaten

4. Mai 2013, 22:46

“Insider-Angriff” in westlicher Provinz Farah – Fünf US-Soldaten bei Bombenanschlag getötet

Kabul/Brüssel – Ein afghanischer Soldat hat nach offiziellen Angaben zwei ISAF-Soldaten erschossen. Der Soldat habe am Samstag im Westen Afghanistans seine Waffe gegen die NATO-Soldaten gerichtet, teilte die ISAF mit. Zur Nationalität der beiden Todesopfer machte sie wie üblich keine Angaben. In Farah sind insbesondere US-Soldaten stationiert.

Der Gouverneur von Farah, Akram Chpalwak, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Vorfall habe sich im Bezirk Bala Buluk ereignet. Nähere Angaben konnte er nicht machen.

Misstrauen

Die NATO-geführten Truppen kämpfen gemeinsam mit der afghanischen Armee gegen islamistische Aufständische. Allerdings gibt es immer wieder Angriffe afghanischer Soldaten auf ausländische Truppen, was Misstrauen zwischen beiden Seiten schürt. Vergangenes Jahr waren mehr als 60 ausländische Soldaten bei sogenannten Insider-Angriffen ums Leben gekommen.

Die Taliban hatten weitere derartige Angriffe angekündigt, als sie vor einer Woche ihre Frühjahrsoffensive starteten. Die NATO vertritt jedoch den Standpunkt, dass die meisten Insider-Angriffe auf persönliche Motive und kulturelle Missverständnisse zurückzuführen sind.

Ebenfalls am Samstag waren nach Angaben afghanischer Behörden fünf US-Soldaten im Süden des Landes getötet worden. Die NATO bestätigte den tödlichen Anschlag, ohne Angaben zur Nationalität der Opfer zu machen. Die internationalen Streitkräfte wollen die Verantwortung für die Sicherheit bis Ende 2014 vollständig an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. (APA, 4.5.2013)

zum Kommentar siehe das Interview mit Brahimi auf diesem Blog

Anzahl gefallener oder verunglückter Soldaten von westlichen Staaten**, die an der Operation Enduring Freedom in Afghanistan beteiligt sind, von 2001 bis 2013*

2013*
39
33
3
0
0
0
2012
402
310
44
0
0
8
2011
566
418
46
4
7
26
2010
711
499
103
16
9
16
2009
521
317
108
32
7
11
2008
295
155
51
32
3
11
2007
232
117
42
30
7
3
2006
191
98
39
36
0
6
2005
131
99
1
1
4
2
2004
60
52
1
1
0
3
2003
58
48
0
2
6
0
2002
70
49
3
4
10
0
2001
12
12
0
0
0
0

Traurige neue Rekordmarke: Mehr als 3.000 tote Soldaten in Afghanistan

Die traurige neue Rekordmarke ist am Wochenende ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit erreicht worden: Im Afghanistan-Einsatz sind – bei den Einsätzen von ISAF und der Operation Enduring Freedom zusammengenommen – mittlerweile mehr als 3.000 Soldaten ums Leben gekommen. Das zeigt die Statistik der Webseite icasualties.org, die darüber penibel Buch führt:

In dieser Statistik sind Gefallene ebenso enthalten wie die Soldaten, die durch Unfälle, Krankheiten oder andere Ursachen ums Leben kamen – allerdings machen die non-hostile fatalities mit 577 einen relativ geringen Teil aus.

Zum Vergleich die deutsche Statistik aus dem ISAF-Einsatz: Nach den offiziellen Zahlen der Bundeswehr kamen am Hindukusch 52 Soldaten ums Leben, 34 davon fielen durch Feindeinwirkung, 18 durch sonstige Umstände (was unter anderem Selbsttötungen einschließt).

(Ich hätte diese neue Rekordmarke ebenfalls nicht gesehen, wenn mich nicht dankenswerterweise ein Leser darauf hingewiesen hätte.)

Trotz dieser enormen Zahl sollte man sich einer Tatsache bewusst sein: Der Blutzoll afghanischer Sicherheitskräfte von Polizei und Armee, vor allem aber die Zahl der Opfer unter der afghanischen Zivilbevölkerung liegt ein Mehrfaches über dem, was die internationalen Truppen erleiden mussten.

http://augengeradeaus.net/2012/05/traurige-neue-rekordmarke-mehr-als-3-000-tote-soldaten-in-afghanistan/

Kuba fordert Guantanamo-Schließung

1. Mai 2013, 23:08

Havanna verlangt Rückgabe des Territoriums

 

Genf/Washington/Havanna – Die kubanische Regierung hat vor dem UN-Menschenrechtsrat die Schließung des US-Gefangenenlagers in Guantanamo im Osten der kubanischen Insel gefordert. Havanna sei “tief beunruhigt” über die “unklare” juristische Lage sowie die “anhaltenden und abscheulichen Menschenrechtsverletzungen” in dem US-Lager, sagte der kubanische Botschafter Bruno Rodrigues Parrilla am Mittwoch vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Parilla verlangte, die USA müssten das Lager schließen und das Ende des 19. Jahrhunderts von Kuba geleaste Gebiet zurückgeben.

Angesichts des Hungerstreiks in Guantanamo hatte US-Präsident Barack Obama weitere Bemühungen zur Schließung des Lagers versprochen. “Ich glaube weiterhin, dass wir Guantanamo schließen müssen”, sagte Obama am Dienstag in Washington. Die USA benötigten Guantanamo nicht, um sich zu schützen, sagte Obama. “Es ist teuer, es ist ineffizient, es schadet unserem internationalen Ansehen.” Der Präsident erklärte, erneut mit dem Kongress über eine Schließung sprechen zu wollen. Das Gefangenenlager sei “nicht im Interesse der Amerikaner”. Obamas Sprecher Jay Carney sagte am Mittwoch, der Präsident erwäge die Ernennung eines Sonderbeauftragten im US-Außenministerium, um die Verlegung der Gefangenen aus dem Lager voranzutreiben.

Seit Anfang Februar protestieren Guantanamo-Insassen mit einem Hungerstreik gegen die Haftbedingungen und die unbegrenzte Inhaftierung ohne Aussicht auf einen Prozess. Nach Militärangaben verweigern derzeit hundert der 166 Häftlinge die Nahrungsaufnahme. Mehr als 20 Gefangene werden demnach künstlich ernährt. (APA, 1.5.2013)

UN kritisieren Zwangsernährung
Obama will Guantanamo endgültig dicht machen

Mittwoch, 01.05.2013, 14:34

Amerika, Gefängnis, Guantanamo, Hungerstreik, Kongress, Barack Obama, USA

dpa US-Präsident Barack Obama will das Hochsicherheitsgefängnis Guantanamo endgültig schließen
An der Schließung des US-Gefängnisses Guantanamo scheint sich Barack Obama die Zähne auszubeißen. Angesichts des Hungerstreiks der Häftlinge nimmt der Präsident nun erneut Anlauf – und will endlich den Kongress überzeugen.
Getrieben vom monatelangen Hungerstreik in Guantanamo nimmt US-Präsident Barack Obama einen neuen Anlauf zur Schließung des Gefangenenlagers. Er werde den Kongress zu überzeugen versuchen, dass Guantanamo „nicht im Interesse der Bevölkerung“ sei, sagte Obama. Gleichzeitig kritisierte er das Lager als „Rekrutierungswerkzeug für Extremisten“. Ein hoher UN-Vertreter verurteilte die Zwangsernährung der Hungernden am Mittwoch als Bruch des Völkerrechts.

„Ich glaube weiterhin, dass wir Guantanamo schließen müssen“, sagte Obama am Dienstag in Washington. Das Lager auf Kuba sei „nicht notwendig, um Amerika sicher zu machen. Es ist teuer, es ist ineffizient, es schadet unserem internationalen Ansehen.“ Schon nach seinem ersten Amtsantritt 2009 hatte der Präsident versprochen, Guantanamo binnen eines Jahres zu schließen, scheiterte aber am Widerstand des Kongresses.

Der Widerstand bestehe weiterhin parteiübergreifend, sagte der republikanische Abgeordnete Buck McKeon. Denn Obama habe keine Alternative präsentiert, was mit den Häftlingen oder künftigen Terrorgefangenen geschehen solle. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte das Lager nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet, als Washington weltweit Jagd auf Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida machte.

Häftlinge im Hungerstreik

Der Hungerprotest startete Anfang Februar. Inzwischen verweigern nach Militärangaben 100 der 166 Insassen die Nahrungsaufnahme, um gegen die Haftbedingungen und die unbegrenzte Inhaftierung ohne Aussicht auf einen Prozess zu demonstrieren. Mehr als 20 Gefangene werden künstlich über Nasensonden ernährt. Zur Versorgung der Hungerstreikenden wurden am Wochenende 40 zusätzliche Ärzte und Pfleger nach Guantanamo verlegt.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCHR) warf den US-Behörden wegen der Zwangsernährung eine „unmenschliche“ Behandlung der Gefangenen vor. „Wenn es als Folter oder degradierende Behandlung empfunden wird – und das wird es, es ist schmerzhaft – dann ist es völkerrechtlich verboten“, sagte UNHCHR-Sprecher Rupert Colville. Selbst bei einem wohltätigen Ziel sei eine erzwungene Ernährung „niemals akzeptabel“.

 

http://www.focus.de/politik/ausland/usa/un-kritisieren-zwangsernaehrung-obama-will-guantanamo-endgueltig-dicht-machen_aid_977312.html

Guantánamo

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Stadt Guantánamo auf Kuba; für andere Bedeutungen siehe Guantánamo (Begriffsklärung).
Guantánamo
Koordinaten: 20° 8′ N, 75° 12′ W | |

Karte: Kuba

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Guantánamo

Guantánamo ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt im Südosten Kubas.

Basisdaten
Staat Kuba
Provinz Guantánamo
Stadtgründung 1510
Einwohner 222.400 (2010)
   – im Ballungsraum 243.674
Detaildaten
Fläche 257,39 km²
Bevölkerungsdichte 842,8 Ew./km²
Gewässer Bahía de Guantánamo
Postleitzahl 95100
Vorwahl (0053)-21
Zeitzone UTC-5
Quellen: [1][2][3]

Guantánamo ist eine Stadt und ein Municipio im Südosten Kubas und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Mit dem „Centro Universitario de Guantánamo“ ist Guantánamo auch Universitätsstadt.

Ihre Berühmtheit verdankt sie zum einen der – gar nicht in der Stadt liegenden – US-amerikanischen Militärbasis mit dem völkerrechtswidrigen gleichnamigen Gefangenenlager und zum anderen José Fernández Díaz‘ Lied Guantanamera.

In den umliegenden Kaffeeplantagen entstand der Musikstil Changüí, eine Variation des Son Cubano.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das Municipio Guantánamo hat eine Gesamtfläche von 257,39 km². Es grenzt im Norden an die Provinz Holguín und im Osten an die Municipios Yateras und Manuel Tames. Im Süden liegt Caimanera, mit der Bahía de Guantánamo. Im Westen schließen sich Niceto Pérez und El Salvador an.[4]

Geschichte

Im Jahr 1791 kam es im Nachbarland Saint-Domingue (heute: Haiti) zu ersten Sklavenaufständen. Schnell entwickelten sie sich zum blutigen Krieg jeder gegen jeden. Infolgedessen flüchteten zahlreiche französische Siedler nach Kuba und gründeten dort 1796 die Stadt Guantánamo. Die Haitianer brachten zu dieser Zeit auch den Kaffee- und Kakaoanbau auf die Insel und kultivierten ihn in den umliegenden Bergen.

Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg zwangen die USA Kuba 1903 dazu, das Platt Amendment zu unterzeichnen. Der Vertrag sah ein Interventionsrecht der USA vor, sowie Landstrecken von Kuba kaufen oder pachten zu können und als Marinestützpunkte zu nutzen. 1934 wurde der Vertrag seitens der USA weitestgehend aufgehoben, nur der Abschnitt über die Marinebasis Guantanamo Bay Naval Base blieb bestehen. Die Rechtmäßigkeit des Vertrags wird seitens der kubanischen Regierung bestritten.[5]

Sehenswürdigkeiten

Das ehemalige Gefängnis der Stadt wird heute als „Museo Provincial de Guantánamo“ genutzt. Es beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt und der Provinz Guantánamo.

Im „Palacio Salcines“ sind die Kunstsammlungen untergebracht. Auf dem Palast ist eine Skulptur zu sehen – die Fama. Sie ist ein Werk des italienischen Künstlers Amerigo Chini und zugleich Wahrzeichen Guantánamos.[6]

Die gut erhaltene Altstadt von Guantánamo ist, wie die meisten anderen kubanischen Städte, im Kolonialstil erbaut. Im Herzen der Altstadt liegt der zentrale Platz „Parque José Martí“. Auf diesem befindet sich ein Denkmal von General Pedro Agustín Pérez. Dieser spielte eine historisch wichtige Rolle im spanisch-amerikanischen Unabhängigkeitskampf. In seiner Zeit als Bürgermeister der Stadt wurden sämtliche Straßen nach den Helden des Unabhängigkeitskampfes umbenannt. Direkt am Parque José Martí steht die bedeutendste Kirche der Stadt. Die „Parroquial de Santa Catalina de Riccis“ wurde 1868 geweiht. Am 24. Januar 1998 wurde sie zur Kathedrale erhoben.[7]

Wirtschaft

Da die Stadt nicht direkt am Meer liegt und auch sonst kaum Sehenswürdigkeiten aufweist, kann von der Tourismusindustrie fast nicht profitiert werden. So bilden der Kaffee-, Kakao-, Zuckerrohr- und Baumwollanbau wirtschaftliche Grundlage der Gemeinde.

Verkehr

Willkommen in Guantánamo

Guantánamo wird von der gut ausgebauten Landstraße Carretera Central durchquert. Sie ermöglicht der Gemeinde eine schnelle Anbindung an Baracoa – die zweitgrößte Stadt der Provinz – und nach Santiago de Cuba.

Ferner verfügt die Stadt über einen Eisenbahnanschluss, den Flughafen „Mariana Grajales“ und für die wenigen Touristen die staatliche Busgesellschaft Viazul.

Verfilmung

Das Leben in der Stadt und ihrer Bewohner zeigt der Dokumentarfilm „Paraíso“ von Alina Teodorescu anhand der Musikgruppe „Madeira Limpia“.[8]

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Guantánamo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.one.cu/aec2010/datos/1.4.xls
  2. http://www.one.cu/aec2011/datos/3.5.xls
  3. http://www.geopostcodes.com/de/index.php?pg=browse&grp=0&niv=3&id=383&l=0&sort=1
  4. http://www.bedincuba.com/cuba_municipios_mapa_map_municipalily/guantanamo_municipios_municipality.jpg
  5. Alfred de Zayas: Wem gehört Guantánamo Bay? Die Rechtslage um den Stützpunkt der Vereinigten Staaten, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 29. Dezember 2003
  6. http://www.bilderreisen.at/cub/cuba-guantanamo-stadt.php#sw3
  7. http://www.bilderreisen.at/cub/cuba-guantanamo-stadt.php
  8. http://www.handelsblatt.com/archiv/paraiso-einblicke-in-kubas-alltag-zu-spritziger-musik-dpa-datum-2004-07-19-14-01-39;764476

Einklappen

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Guant%C3%A1namo