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Emanzipation für unseren Umgang mit der Umwelt

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1928344/ZDF-heute-journal-vom-22-Juni-2013

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1928224/Indien:-Monsun-Opfer-warten-auf-Hilfe

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1926254/Indien:-Dutzende-Tote-nach-Monsun-Regen

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1926154/%C3%9Cberschwemmungen-in-Indien

Monsun in Indien: Hunderte Tote, Tausende Vermisste

Indien: Verheerender MonsunregenFotos
DPA

Die Folgen der tagelangen Monsun-Regenfälle in Indien sind verheerend: Hunderte Leichen sind bereits geborgen, Tausende Menschen verschollen. Hochwasser und Erdrutsche haben viele Straßen unpassierbar gemacht, mehrere Orte können nur noch per Hubschrauber erreicht werden.

Neu-Delhi – Die Zahl der Toten ist nach tagelangen Regenfällen in Indienauf rund 300 gestiegen. Noch immer gelten knapp 14.000 Menschen als vermisst. Rettungskräfte versuchen, durch Hochwasser abgeschnittene Orte im Norden des Landes zu erreichen. Mit Helikoptern suchen sie nach Überlebenden und werfen Essenspakete ab. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen sich an Klippen entlanghangeln, um sich in Sicherheit zu bringen.

 

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Nach wie vor sitzen rund 50.000 Menschen fest, darunter zahlreiche Pilger, die im am schwersten betroffenen nordindischen Bundesstaat Uttarakhand die zahlreichen hinduistischen Tempel besuchen wollten. Der Monat Juni gilt dort als Hochsaison für Pilgerreisen und Tourismus. In diesem Jahr hatte der Monsunregen aber früher als üblich eingesetzt und die Menschen überrascht.Radhey Shyam, der nach Kedarnath gepilgert war, ist der einzige Überlebende seiner dreizehnköpfigen Familie. “Meine Frau, meine Tochter und meine Verwandten wurden alle von den Fluten fortgespült”, sagte er dem Sender NDTV. “Eine Menge Leute sind auf Berge geklettert oder befinden sich im Wald. Sie brauchen Hilfe und müssen so schnell wie möglich gerettet werden.” Bisher wurden Behördenangaben zufolge etwa 35.000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Allein im Bundesstaat Uttarakhand starben seit Sonntag mindestens 250 Menschen, wie der lokale Katastrophenschutz mitteilte. Verärgerte Angehörige blockierten die Straßen um den Flughafen Jolly Grant in der Hauptstadt des Bundesstaates. Damit protestierten sie gegen mangelnde Unterstützung und Informationen durch die Behörden.

Auch in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Himachal Pradesh waren in den vergangenen Tagen Dutzende Menschen den Fluten zum Opfer gefallen. Insgesamt sind fast 10.000 Soldaten im Einsatz, um in Dörfer und Städte zu gelangen, die durch Überschwemmungen und Erdrutsche abgeschnitten sind.

Auch im Nachbarland Nepal richteten Hochwasser und Erdrutsche Verwüstungen an. Dort seien bislang 39 Todesopfer gemeldet worden, sagte der Chef des Nationalen Katastrophenschutzzentrums.

http://www.spiegel.de/panorama/monsun-in-indien-hunderte-tote-tausende-vermisste-a-907154.html

 

 

Tun wir nichts, bekommen wir alle ein Problem

INTERVIEW | GÜNTHER STROBL, 10. Juni 2013, 17:40
  • Im Vordergrund fette Stromleitungen, im Hintergrund schwarzer Rauch, der einem Kohlekraftwerk der deutschen RWE entweicht. Der globale CO2- Ausstoß hat 2012 einen Rekordwert erreicht.
    foto: apa/frederico gambarini

    Im Vordergrund fette Stromleitungen, im Hintergrund schwarzer Rauch, der einem Kohlekraftwerk der deutschen RWE entweicht. Der globale CO2- Ausstoß hat 2012 einen Rekordwert erreicht.

  • Fatih Birol: "Ich sehe noch eine Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen."
    foto: standard/matthias cremer

    Fatih Birol: “Ich sehe noch eine Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, ist alarmiert wegen des fortschreitenden Klimawandels und der CO2-Emissionen

Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, ist alarmiert wegen des fortschreitenden Klimawandels und CO2-Emissionen auf Rekordhöhe. Die Agentur fordert Maßnahmen, schmutzige Kraftwerke sollten vom Netz.Günther Strobl hat nachgefragt.

STANDARD: Die Finanzkrise hat den Klimawandel von der Top-Position auf der Polit-Agenda verdrängt?

Birol: Leider – trotz wissenschaftlich erhärteter Erkenntnisse, was die Ursachen betrifft. Der Energiesektor spielt eine entscheidende Rolle. Gut zwei Drittel der Treibhausgasemissionen stammen aus diesem Bereich. Im Vorjahr sind die CO2-Emissionen um 1,4 Prozent auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Die Welt steuert auf eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 5,3 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu, eine beängstigende Entwicklung.

STANDARD: Sie versuchen, die Bekämpfung des Klimawandels wieder auf die Agenda zu bringen. Doch etwas eigenartig für eine Institution wie die Internationale Energieagentur (IEA), oder?

Birol: Wieso? Wenn wir nichts tun, bekommen wir alle ein Problem.

STANDARD: Die IEA machte sich früher Gedanken über Versorgungssicherheit, teures Rohöl. Und plötzlich ist anderes wichtiger?

Birol: Weil beim Klimawandel der Energiesektor eine Schlüsselrolle spielt. Entweder findet der Sektor eine Lösung …

STANDARD: … oder?

Birol: Wenn nicht, wird es ernsthafte Probleme und Auswirkungen auch auf die Energieinfrastruktur geben. Das ist der Grund, warum wir uns so engagieren. In Europa ist der Kohleverbrauch 2012 mehr als in China gestiegen. Das war das erste Mal in den letzten 13 Jahren – jedenfalls seit es diese Art von Aufzeichnungen gibt. Kein gutes Zeugnis für den europäischen Umweltschutz und das Emissionshandelssystem.

STANDARD: Warum das?

Birol: Das liegt am Preis. Wenn die Verschmutzungsrechte teurer wären, hätten wir wahrscheinlich eine geringere Zunahme des Kohleeinsatzes gesehen, vielleicht sogar einen Rückgang.

STANDARD: So sind Kohlekraftwerke hingegen wieder zu echten Cashcows geworden?

Birol: Genau, und man lässt in Ermangelung richtiger Preissignale Alternativen links liegen.

STANDARD: Sie fordern auch verstärkte Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz. Ist Energie nicht schlicht zu billig? Andernfalls würde wohl aus Eigeninteresse die effizienteste Technologie eingesetzt?

Birol: Die Leute sind ja interessiert an Energieeffizienz. In China beispielsweise sind die Emissionen 2012 so wenig gestiegen wie noch nie in den letzten Jahrzehnten. Die Energieeffizienz hat sich um 3,8 Prozent erhöht, weil die chinesische Regierung Standards definiert und Ziele vorgegeben hat. In den USA wiederum sind die Emissionen im Vorjahr auf Werte wie in den 1990er-Jahren zurückgegangen, also beträchtlich.

STANDARD: Schiefergas?

Birol: … ist an die Stelle der Kohle getreten.

STANDARD: Die USA setzen auf billige Energie, um ihre Industrie nach vorne zu bringen, die Europäer auf erneuerbare. Was ist besser?

Birol: Energie sollte billig und nachhaltig sein. Auch die Gaspreise in den USA steigen wieder. Lagen sie vor einem Jahr noch bei 2,8 Dollar je Maßeinheit, sind es jetzt 4,2 Dollar. Bei Gaspreisen von fünf Dollar wird Kohle wieder zurückkehren. Außer die Regierung rafft sich zu einem entsprechenden Bann auf. Man arbeitet daran.

STANDARD: US-Gas ist immer noch deutlich günstiger als in Europa?

Birol: Definitiv. Nicht nur Gas, auch Strom. Das bereitet Europa ja auch Probleme, vor allem der energieintensiven Industrie.

STANDARD: Sind Sie noch überzeugt, dass das Zwei-Grad-Ziel und damit halbwegs erträgliche Umweltbedingungen zu schaffen ist?

Birol: Überzeugt nicht, aber ich sehe noch eine Chance. Deshalb schlagen wir ja auch Maßnahmen wie mehr Energieeffizienz vor.

STANDARD: Sollte man nicht dazu übergehen, die absehbaren Folgen der Klimaerwärmung abzumildern?

Birol: Ja, man soll sich mit Anpassungsmaßnahmen beschäftigen. Die Chancen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, werden immer geringer.

STANDARD: Was machen Sie selbst, um nachhaltig zu leben?

Birol: Verschiedenes. Ich hatte zum Beispiel selbst nie ein Auto, ich fahre mit Öffis. Das ist mein persönlicher kleiner Beitrag. (DER STANDARD, 11.6.2013)

Fatih Birol, 1958 in Ankara geboren, ist Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris. “Forbes” zählt ihn zu den zehn wichtigsten Denkern der Energieszene. Vor seinem Eintritt in die IEA war Birol sechs Jahre bei der Opec in Wien beschäftigt.

http://derstandard.at/1369363246912/Tun-wir-nichts-bekommen-wir-alle-ein-Problem

Japan

Tausende demonstrieren gegen Atomkraft

Protesters march during an anti-nuclear demonstration demanding a stop to the operation of nuclear power operations in Tokyo July 16, 2012 (Reuters / Kim Kyung Hoon)

(afp) Mehrere tausend Menschen haben in der japanischen Hauptstadt Tokio gegen die Nutzung der Atomenergie protestiert. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich rund 7500 Menschen in einem Park in der Innenstadt. Unter den Teilnehmern waren Opfer nuklearer Verstrahlung und Prominente wie Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe.

Die Demonstranten zogen durch das Stadtzentrum von Tokio und protestierten unter anderem vor der Firmenzentrale des Unternehmens Tepco, das die beim Tsunami 2011 schwer beschädigten Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima betreibt.

Nach der Fukushima-Katastrophe waren alle 50 japanischen Atomreaktoren für Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet worden. Inzwischen wurden zwei wieder in Betrieb genommen. Ministerpräsident Shinzo Abe hat mehrfach erklärt, er wolle die Atomkraftwerke wieder hochfahren lassen, sofern deren Sicherheit gewährleistet sei.

http://www.nzz.ch/aktuell/newsticker/tausende-japaner-gehen-gegen-atomkraftnutzung-auf-die-strasse-1.18091968

 

Indigener mit Holzstange vor brasilianischen Polizisten

Indigene fordern Mitsprache

Das für den Bau des brasilianischen Belo-Monte-Staudamms verantwortliche Konsortium befürchtet eine Eskalation der Gewalt zwischen Bauarbeitern und protestierenden indigenen Staudammgegnern. Die Bauherren sollen bereits vor zwei Wochen einen entsprechenden Brief mit der Bitte um Maßnahmen an vier Ministerien geschickt haben.

Nachdem die Baustellen in den letzten Monaten mehrmals von Indigenen besetzt worden waren, bezeichnete das Konsortium die Lage in der Region als „extrem angespannt“, berichtete Kathpress am Mittwoch unter Berufung auf brasilianische Medien. Bisher hat die Regierung keine Maßnahmen verkündet. Kritik an dem Projekt kommt besonders von den indigenen Anrainern der Region, die ein Mitspracherecht und öffentliche Anhörungen zu dem Projekt verlangen.

Aufforderung an Präsidentin

Aus Protest besetzten am Dienstag Indiogruppen die Baustelle. Sie forderten einen Dialog mit der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff, hieß es am Montag (Ortszeit) in einem offenen Brief der Besetzer. Der für den Bau und Betrieb des Werks verantwortliche Konzern Norte Energia teilte mit, alle rechtlichen Schritte zu nutzen, um das Gelände wiederzuerlangen und die Arbeiten fortzusetzen.

Verschiedene indigene Volksgruppen hatten bereits Anfang Mai die Anlage am Amazonas-Seitenfluss Xingu besetzt, um die Arbeiten zu stoppen. Sie waren aber nach einer Woche wieder abgezogen. „Ihre Regierung sagte, dass wir, wenn wir gingen, angehört würden“, steht in dem Brief. Es habe aber keine Gespräche gegeben. Auch Umweltschützer protestieren heftig gegen das Projekt. Das Wasserkraftwerk soll das drittgrößte weltweit werden.

Baustopp kostete rund 400 Mio. Euro

Mitte August 2012 war per Richterspruch ein Baustopp verhängt worden, weil betroffene Volksgruppen vor der Kongressgenehmigung ihren Standpunkt nicht hatten vorbringen können. Aber schon Ende des Monats beschloss Brasiliens Oberster Gerichtshof den Weiterbau.

Insgesamt konnte in den vergangenen zwei Jahren aufgrund von Besetzungen an 91 Tagen nicht gearbeitet werden. Die ursprünglich für Februar 2015 geplante Inbetriebnahme der ersten Turbine wird sich deshalb verzögern. Laut Medienberichten sollen die Besetzungen zudem bisher Mehrkosten von umgerechnet gut 400 Millionen Euro verursacht haben. Derzeit sind 23.000 Arbeiter in Belo Monte beschäftigt, bis Jahresende sollen es 28.000 sein.

40.000 Menschen verlieren Lebensgrundlage

Unterstützung in ihrem Kampf erhalten die Kraftwerksgegner vom Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche (CIMI) und dessen Präsidenten, dem aus Vorarlberg stammenden Bischof Erwin Kräutler. Kräutler hatte erst vor kurzem in Österreich vor den katastrophalen Folgen des Staudammprojekts gewarnt.

Durch das Projekt würden rund 40.000 Menschen, vorwiegend Angehörige indigener Minderheiten, Lebensraum und -grundlage verlieren. 80 Prozent des Xingu-Flusses würden dafür abgeleitet und ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometer Regenwald überflutet. Das zerstöre die Lebensgrundlage der indigenen Bewohner, lasse gewachsene Gemeinschaften zerbrechen und ziehe einen Massenexodus nach sich, so Kräutler. Außerdem verstoße das Projekt sowohl gegen die Menschenrechte als auch die brasilianische Verfassung. In Altamira, wo sich Kräutlers Bischofssitz befindet, soll gut ein Drittel der Stadt durch die Aufstauung überflutet werden.

Andritz liefert Turbinen

Der Staudamm Belo Monte wird nach seiner Fertigstellung nach dem chinesischen Dreischluchtendamm und dem brasilianisch-paraguayischen Gemeinschaftsprojekt Itaipu der drittgrößte der Welt sein. Die Turbinen und Generatoren des höchst umstrittenen Projekts stammen von der steirischen Andritz AG, die mit einer Auftragshöhe von etwa 330 Millionen Euro beteiligt ist.

Links:

Das stille Gift

Wenn Pestizide krank machen

Wir kommen alle ständig in Berührung damit: Auf unseren Feldern, in unseren Vorgärten und inzwischen auch in unserem Essen: 15.000 Tonnen des Pestizids Glyphosat werden jedes Jahr in Deutschland eingesetzt. Der Wirkstoff ist ein Standard-Unkrautvernichter und wird in der Landwirtschaft, genauso wie von Hobby-Gärtnern und auf Kinderspielplätzen eingesetzt. Dabei steht Glyphosat seit Jahrzehnten im Verdacht giftig für den Menschen zu sein. Missbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen werden in immer neuen wissenschaftlichen Studien in Zusammenhang mit dem Wirkstoff gebracht.

  • Video

    ZDFzoom: Das stille Gift

  • Bildfamilie

    Pestizide werden ausgebracht

Die Doku in voller Länge

15.000 Tonnen des Pestizids Glyphosat werden jedes Jahr in Deutschland eingesetzt. Dabei steht der Stoff im Verdacht giftig für den Menschen zu sein. ZDFzoom geht dem Wirkstoff auf die Spur.

 (08.05.2013)

 

Hinzu kommt: Das Mittel ist längst in unserer Nahrungskette angekommen und damit in unseren Körpern. Jüngste noch unveröffentlichte Studien zeigen: 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland tragen Glyphosat in sich. 

Auf Spurensuche

ZDFzoom geht dem Wirkstoff auf die Spur: In Argentinien werden jedes Jahr über 200 Millionen Liter Glyphosat eingesetzt, vor allem beim Tabak- und beim Soja-Anbau. Ärzte und Wissenschaftler vor Ort sehen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und einer Vielzahl von Erkrankungen. 

 

Die Recherchen in Argentinien sind auch ein Blick in die Zukunft der Landwirtschaft in Europa und Deutschland: Glyphosat wird in ganz Südamerika so massiv eingesetzt, weil große Agrar-Konzernen es in Kombination mit gentechnisch veränderten Pflanzen wie Gen-Soja vertreiben. 

 

Was ist dran an den Vorwürfen?

Doch warum sind die Produkte wie das verdächtige Glyphosat überhaupt zugelassen? ZDF-Autoren decken die Hintergründe auf: In Deutschland sind 28 glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel auf dem Markt. Für die EU-weite Glyphosat-Zulassung sind deutsche Behörden zuständig. ZDFzoom spricht mit Verbraucherschützern und Insidern. Der Vorwurf: Die Zulassungsverfahren seien intransparent, die Industrie nehme Einfluss auf die Behörden. Was ist dran an den Vorwürfen? 

 

ZDFzoom über ein Pestizid, das von den Befürwortern als Wundermittel gefeiert und von seinen Gegnern als ökologische Zeitbombe verdammt wird.

 

http://www.zdf.de/ZDFzoom/Das-stille-Gift-27830936.html

EU-weit Demos gegen Agrarmulti Monsanto

25. Mai 2013, 22:13
  • Auch in Südafrika wurde demonstriert.
    foto: apa/epa/ludbrook

    Auch in Südafrika wurde demonstriert.

US-Konzern wegen gentechnisch veränderter Saaten umstritten

Paris/Wien – Tausende Menschen haben in mehreren europäischen Städten am Samstag gegen den US-Agrarriesen Monsanto und gentechnisch veränderte Organismen (GVO) demonstriert. In Paris beteiligten sich mehrere hundert Demonstranten an einem Sit-in am Trocadero-Platz nahe des Eiffelturms. Sie forderten, dass Produkte mit gentechnisch veränderten Organismen generell als solche ausgewiesen werden müssen. In Straßburg gingen bis zu 450 Demonstranten auf die Straße. Auch in Wien versammelten sich mehrere hundert Demonstranten.

Im niederländischen Wageningen, Zentrum der Lebensmittelindustrie, versammelten sich laut den Organisatoren rund 3000 Demonstranten vor dem dortigen Sitz von Monsanto und hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie “Monsanto tötet” oder “Rettet die Biodiversität”. In Amsterdam protestierten etwa 1200 Menschen. In Berlin und München waren es jeweils etwa 300.

In der EU wurden bis jetzt erst zwei gentechnisch veränderte Organismen zum Anbau zugelassen: die Maissorte MON 810 von Monsanto und die von dem deutschen Konzern BASF entwickelte Amflora-Kartoffel. MON 810 wurde 1998 für zehn Jahre zugelassen, der Antrag auf eine Verlängerung liegt derzeit auf Eis. (APA, 25.5.2013)

http://derstandard.at/1369361661482/Demonstrationen-gegen-Agrarmulti-Monsanto-in-mehreren-EU-Staedten

Unterwasserwelt, Mark Schauer , Foto: picture-alliance/dpa, Kombo: ARD.de

 

UN-Umweltexperte Mark Schauer im Interview

“Der Mensch sorgt für ein Massensterben”

In Deutschland lebt die Malaria-Mücke, durch zerstörte Korallenriffe ist die Weltfischerei zusammengebrochen und die tropischen Regenwälder sind Palmölplantagen zum Opfer gefallen – ein Schreckensszenario. Genau dies drohe im Jahr 2050, so der UN-Umweltexperte Mark Schauer, wenn der Mensch Artenvielfalt und Ökosysteme nicht schütze.

Mark Schauer (38) leitet seit einem Jahr das TEEB-Sekretariat (The Economics of Ecosystems and Biodiversity, zu deutsch: Die Ökonomie der Ökosysteme und Biodiversität) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Die Studie beschäftigt sich mit dem ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt. Im kommenden Oktober erscheint dazu der Abschlussbericht.

ARD.de: Herr Schauer, “Biodiversität” ist ein sperriges Wort, das vielleicht nicht jeder sofort versteht – was bedeutet das genau? 

Mark Schauer: Das stimmt, ich muss immer zuerst erklären, was Biodiversität überhaupt bedeutet. Biodiversität ist die Vielfalt von Arten, Ökosystemen und dem Genpool. Es gibt viele verschiedene Arten weltweit und innerhalb einer Art viele Ausprägungen – bei der Art “Hund” etwa der Chihuahua und die deutsche Dogge. Ökosysteme der Erde reichen von Korallenriffen über die Feuchtmoore Norddeutschlands bis zur Sahelzone.

Und der Genpool?

Die genetische Vielfalt ist notwendig für die Widerstandskraft einer Art. Bäume zum Beispiel können nicht weglaufen und müssen vielen Umwelteinflüssen gewachsen sein – dabei hilft ihnen ihr Genpool. In Indien konzentrierte man sich auf den Anbau einer einzigen Reissorte. Als diese von einem Virus befallen wurde, blieben die Ernten aus und eine Hungersnot drohte. Glücklicherweise konnten mit dem Erbgut aus dem Urreis neue Sorten gezüchtet werden.

Wie ist es momentan um die Biodiversität auf der Erde bestellt?

Wir verlieren sie zunehmend. Eine Studie aus dem Jahr 2007 (Anm. der Redaktion: Millennium Ecosystem Assessment) hat gezeigt: Der Artenverlust übersteigt bis zu tausendfach den Verlust, der auf natürliche Weise geschehen würde. Arten sterben immer aus, zum Beispiel, wenn ein Vulkan ausbricht und eine Minipopulation vernichtet wird. Doch der Mensch sorgt für ein Massensterben. Schuld sind unter anderem der von ihm verursachte Klimawandel, die Zerstörung von Lebensräumen – wenn beispielsweise Wälder gerodet und Sümpfe trockengelegt werden – und vom Menschen neu eingeschleppte Arten. Bekannte Beispiele sind Kaninchen in Australien oder die Wasserhyazinthe und der Nilbarsch, die das gesamte Ökosystem des afrikanischen Viktoriasees bedrohen.

 In Deutschland hat der Mensch zum Beispiel die Pflanze Riesenbärenklau aus dem Kaukasus eingeschleppt. Sie hat ein Gift, das zu schweren Verbrennungen führen kann. Im Kaukasus hält der kältere Winter den Riesenbärenklau im Zaum, in Deutschland dagegen gedeiht er prächtig, so dass ganze Gebiete an Bächen und Flüssen nicht mehr betreten werden können. Insgesamt lässt sich sagen: Die biologische Vielfalt schrumpft heute schneller als vor 50 Jahren.

Nun haben die Vereinten Nationen 2010 zum “Internationalen Jahr der Biodiversität” ausgerufen – was versprechen Sie sich davon? 

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen ist der Verfall der Biodiversität ein noch größeres Problem als der Klimawandel. 2009 hat die Universität Stockholm (Stockholm Resilience Centre) ermittelt, dass der Verlust der Arten schon jetzt bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Trotzdem ist das Thema weltweit kaum präsent – was vielleicht auch an dem sperrigen Begriff liegt. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, welche schlimmen Folgen der Verlust der biologischen Vielfalt haben kann.

Welche Folgen?

Werden zum Beispiel noch mehr Korallenriffe vernichtet, droht die Weltfischerei zusammenzubrechen, denn die Riffe sind eine wichtige Brutstätte für Fische. Ein 86-Milliarden-Dollar-Wirtschaftszweig ginge in die Knie. Eine Milliarde Menschen verlöre damit ihren wichtigsten Eiweißlieferanten. Die Rolle der Biodiversität für den Menschen ist ökonomisch, ökologisch und kulturell entscheidend.


Zahlen zur Biodiversität

In den vergangenen 300 Jahren sind die Wälder weltweit um 40 Prozent geschrumpft. Seit 1900 hat sich die Zahl der Feuchtbiotope halbiert. 30 Prozent der Korallenriffe sind inzwischen zerstört oder schwer beschädigt, 35 Prozent der Mangroven-Wälder an den Küsten sind vernichtet. Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN (Studie von 2007) sind 12 Prozent der Vögel, 20 Prozent der Säugetiere und 29 Prozent der Amphibien vom Aussterben bedroht.

Was ist der Grund für die abnehmende Biodiversität? Schließlich wurde bereits 1992 das “Übereinkommen über die biologische Vielfalt” unterzeichnet … 

Viele Menschen haben einfach noch nicht verstanden in welcher Gefahr wir uns befinden. Trotz verzweifelter Anstrengungen hat die Aussterberate auf Grund menschlicher Aktivitäten zugenommen und es ist der Weltgemeinschaft bislang nicht gelungen das einzudämmen.

Wie sähe denn ein Szenario im schlimmsten Fall aus, sollte sich nichts verändern?

Die Aussterbe- und Entwaldungsrate nähme atemberaubende Ausmaße an. Im Jahr 2050 könnten die tropischen Regenwälder Zuckerrohrfeldern und Palmölplantagen zum Opfer gefallen sein, eine gigantische Menge Kohlenstoffdioxid wäre in der Luft und könnte nicht mehr gebunden werden. Es gäbe mehr extreme Wetterereignisse, wie Wirbelstürme und sintflutartiger Regen, die Ernten und wirtschaftliche Entwicklung bedrohten. Bestände vieler Fischarten wären 2050 vermutlich irreversibel vernichtet, trockene Gebiete wären zu Wüsten geworden, Länder wie Bangladesch, Nigeria und die Niederlande hätten mit Überschwemmungen zu kämpfen.

Eine Malariamücke, Foto: picture-alliance/dpa

Was würde sich in Deutschland verändern?

In Norddeutschland müssten alle Deiche erhöht werden, im Sommer würden durch die Hitze mehr Menschen krank, es gäbe schlechtere Ernten und höhere Nahrungsmittelpreise. Verschwände das Ökosystem, das die Malariamücke in Schach hält, wäre Malaria auch in Deutschland möglich – als erstes im Oberrheingebiet. Und das sind nur wenige Beispiele, die sich aus der Klimaveränderung und dem Verlust der biologischen Vielfalt ergeben können.

Wie lässt sich diese Entwicklung stoppen?

Wir wollen die Konsumenten überzeugen, dass es sich lohnt, Arten zu erhalten. Niemand muss Kiwis aus Neuseeland essen, sondern kann lokale Lebensmittel einkaufen. Eine Entscheidung für die Biodiversität ist auch immer eine Klimaentscheidung. Unser ökologischer Fußabdruck sollte so klein wie möglich sein. Das gilt auch für die Wirtschaft. Unerlässlich für den Fortbestand unserer Gesellschaft ist es außerdem, dass politische Entscheidungsträger das Prinzip der Biodiversität verstehen und Einfluss nehmen – zum Beispiel mit Steuern und Vereinbarungen.

Was ist konkret im Rahmen dieses UN-Jahres geplant? 

Vom 17. bis 29. Oktober findet in Nagoya in Japan die 10. Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversitäts-Konvention statt. Deutschland hat bis dahin die Präsidentschaft der “Konvention für die biologische Vielfalt” inne. Dort hoffen wir auf neue Beschlüsse und einen gerechten Zugang zu genetischen Ressourcen. Es geht zum Beispiel um die Möglichkeit, im Regenwald nach neuen Medikamenten zu forschen – die Pharmaunternehmen sollen Ländern mit großer biologischer Vielfalt wie Costa Rica einen Obolus zahlen. Im Gegenzug haben diese Länder einen Anreiz, ihr Ökosystem zu erhalten. Das ist allerdings auch schon schief gegangen: Mithilfe des Magenbrüterfrosches hätte zum Beispiel ein Medikament gegen Sodbrennen hergestellt werden können. Doch dieser Frosch ist inzwischen ausgestorben, vermutlich durch eine vom Menschen eingeführte Pilzkrankheit. Wir Menschen nehmen uns also selbst die Chancen auf Heilung und unsere Lebensgrundlage.

Das Interview führte Anja Hübner.

http://www.ard.de/home/wissen/Malaria_am_Oberrhein/70284/index.html

 


ARD.de-Spezial über Biodiversität

Der Reichtum der Welt ist in Gefahr

Weltweit gibt es etwa 1,8 Millionen bekannte Tier- und Pflanzenarten. Diese beeindruckende Artenvielfalt ist aber akut gefährdet. Täglich sterben bis zu 130 Arten aus, 20.000 gelten als bedroht. Auch der Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb der einzelnen Tier- und Pflanzenarten schreitet voran. Doch es gibt auch Hoffnung. In Deutschland beispielsweise kehren längst ausgerottete Tierarten wie der Luchs und der Wolf zurück.

Elefant im Wald in Sumatra, Foto: picture-alliance/dpa

Infos:

http://www.ard.de/home/wissen/Der_Reichtum_der_Welt_ist_in_Gefahr/138620/index.html